Pinar Selek: Türkei verlangt von Frankreich die Auslieferung

Das türkische Justizministerium hat sich an die französischen Behörden gewandt und die Auslieferung der türkischen Autorin und Soziologin Pinar Selek verlangt. Diese wurde am 24. Januar in Abwesenheit überraschend von der 12. Kammer des Istanbuler Gerichts wegen Beteiligung an einem Bombenanschlag zu einer lebenslangen Haftstrafte in der Türkei verurteilt.

Fast ein Jahr nach dem umstrittenen Gerichtsurteil gegen die türkische Autorin Pinar Selek, soll die türkische Justiz nun die Auslieferung der im Exil lebenden Soziologin verlangt haben. Wiederholt hatte die 42-Jährige dementiert, politisches Asyl in ihrer derzeitigen Wahlheimat Frankreich beantragen zu wollen. Stets hatte sie betont, in die Türkei zurückkehren gegen die gegen sie erhobenen Anschuldigungen vorgehen zu wollen.

Gut sieben Monate nach dem höchstumstrittenen türkischen Gerichtsurteil geriet die türkische Autorin und Soziologin Pinar Selek im August erneut in Bedrängnis. Gegen die Menschenrechtsaktivistin liegt eine so genannte „Rot-Ecke“ von Interpol vor. Nach der damaligen Einschätzung ihres Vaters, Alp Selek, ist der Kampf seiner Tochter noch lange nicht vorbei. Die „Rot-Ecke“ zielt auf die Festnahme der ausgeschriebenen Personen zum Zweck ihrer späteren Auslieferung ab. Diese fordert die Türkei nun ein, wie die türkische Zeitung Hürriyet berichtet.

Seit 2009 lebt Pinar Selek im Exil, zunächst in Berlin, seit 2011 in Straßburg. Dort arbeitet sie derzeit an ihrer Disseration. Bereits seit dem Sommer droht ihr eine Festnahme durch die französische Polizei und aufgrund des französich-türkischen Abkommens eine Abschiebung in die Türkei (mehr hier).

Die Soziologin wurde am 24. Januar dieses Jahres in Abwesenheit überraschend von der 12. Kammer des Istanbuler Gerichts wegen Beteiligung an einem Bombenanschlag zu einer lebenslangen Haftstrafte in der Türkei verurteilt. Zuvor war sie vom gleichen Richter bereits dreimal freigesprochen worden. Der Anschlag ereignete sich am 9. Juli 1998 auf dem Ägyptischen Basar in Istanbul. Sie soll die Tat gemeinsam mit Abdülmecit Öztürk ausgeführt haben, der ebenfalls lebenslang ins Gefängnis soll. Sieben Menschen wurden bei dem Anschlag getötet und weitere 127 verletzt. Zum Zeitpunkt der Tat war Pınar Selek 25 Jahre alt und verdächtigt, Mitglied der PKK zu sein. Zuvor hatte sich auch Günter Grass für sie eingesetzt (mehr hier). Bereits wenige Tage nach dem Richterspruch kündigte Selek an, darum zu kämpfen, in ihr Land zurück zu kehren.

Das Urteil hat Selek zu einem Symbol des Kampfes für die Menschenrechte in der Türkei gemacht. Im März wurde sie im Zuge einer Veranstaltung zum Weltfrauentag in Straßburg zudem als Symbol des Kampfes für die Rechte der Frauen vorgestellt (mehr hier).

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