Neue Anschläge in Russland: Kann Putin Sicherheit für Olympia gewährleisten?

Mindestens 31 Menschen starben in den vergangenen 24 Stunden bei Bombenanschlägen im südrussischen Wolgograd. 700 Kilometer weiter sollen bereits in wenigen Wochen die Olympischen Spiele von Sotschi über die Bühne gehen. Das Sicherheitsaufgebot für Präsident Wladimir Putins Prestigeprojekt ist immens. Noch größer ist jedoch die Angst vor weiteren Anschlägen.

Gleich zwei Bombenanschläge innerhalb von 24 Stunden haben jetzt die südrussische Stadt Wolgograd erschüttert. Die jüngsten Terrorattacken in Russland ereignen sich zu einem äußerst sensiblen Zeitpunkt. Vom 7. bis 23. Februar 2014 werden die Olympischen Winterspiele im Schwarzmeer-Badeort Sotschi in unmittelbarer Nähe zur unruhigen Nordkaukasus-Region ausgetragen. Für Präsident Wladimir Putin geht es jetzt um alles. Während seiner Prestigeveranstaltung muss er Gästen und Sportlern unbedingt eine sichere Umgebung gewähreisten.

Ein „sicheres, angenehmes und unvergessliches Erlebnis“ wollte Putin dem Land mit den Olympischen Winterspielen in Sotschi bescheren. Mehr als 50 Milliarden Dollar wurden seither in die Spiele gepumpt. Stark, weltoffen und vor allem als Supermacht – so soll sich Russland während der Wettkämpfe präsentieren.

Sotschi: Fast 40.000 Polizisten für die Spiele

Doch die Nordkaukasus-Konflikte, die einst in Tschetschenien begannen und sich seither in der vorwiegend muslimisch geprägten Region ausbreiten, machen dem Präsidenten nun einen dicken Strich durch seine Rechnung. Zwei Jahrzehnte fast ununterbrochen Blutvergießens entlang der verarmten russischen Südgrenze hat eine ganze Generation von Rekruten für Guerillabanden hervorgebracht, die Kriege sowohl zu Hause als auch im Ausland zu führen bereit sind.

Schon Ende Oktober kam es in Wolgograd zu einem verheerenden Anschlag auf einen Linenbus. Die Explosion riss fünf Menschen in den Tod, 17 wurden verletzt (mehr hier). Jetzt folgten binnen weniger Stunden zwei weitere Terrorakte mit insgesamt 31 Toten. Am Freitag zuvor war in der Stadt Pjatigorsk, knapp 300 Kilometer von Sotschi entfernt, zudem eine Autobombe detoniert. Für den Abgeordneten Michail Markelow ist nach den jüngsten Anschlägen klar: „Sie versuchen Sotschi einen Schlag zu versetzen. Das war ein schwerer Einschüchterungsversuch.“

Die Sicherheitsbehörden haben bereits reagiert. Während der Spiele will Russland nun beispiellose Sicherheitsmaßnahmen treffen und knapp 37.000 Polizisten in Sotschi einsetzen. Auch die russischen Geheimdienste sind eingeschaltet. Sie wollen die Kommunikation im Internet und Telefongespräche überwachen. Ab dem 7. Januar gelten zudem strenge Zufahrsregelungen. Ab diesem Zeitpunkt ist die Einfahrt nach Sotschi für alle Autos verboten, die nicht in der Region gemeldet sind, so die türkische Zeitung Hürriyet. Es gilt höchste Wachsamkeit. Denn: „Wir müssen alle fürchten, von so genannten einsamen Wölfen über russische Muslime bis hin zu jenen, die in Syrien gekämpft haben und nun zurückgekehrt sind“, sagt Alexej Malaschenko von der Moskauer Carnegie- Zentrum. „Wir wissen nicht, wo oder wann der nächste Anschlag passieren wird, aber wir wissen. Aber wir wissen, dass es passieren wird.“

Die Täter würden Anschläge durchführen, die so tödlich wie möglich verliefen. Auf diesem Weg würden sie die größtmögliche Aufmerksamkeit erhalten, so auch Alexander Konovalov vom Moskauer Institut Strategische Bewertung. Dass es in Sotschi selbst zu Anschlägen kommen wird, hält er aufgrund des immensen Sicherheitsaufgebots hingegen für relativ unwahrscheinlich. Um die Stadt herum sehe das jedoch anders aus.

Stimmung kippt mit Anschlägen von Boston

Bereits im Juli dieses Jahres rief der tschetschenische Top-Terrorist Doku Umarow zu Terroranschlägen auf die Spiele auf.  Via Videobotschaft hatte sich der 49-Jährige zu Wort gemeldet und die Muslime des Landes aufgerufen, Anschläge auf die anstehenden Olympischen Spiele zu verüben. Der Islamistenführer kannte dabei keine Gnade.  Es gelte, die Veranstaltung „mit allen Mitteln, die Allah erlaubt“ zu verhindern. Das im Februar 2012 angeordnete Ende der Anschläge auf Zivilisten ist damit obsolet. Das Moratorium, so Umarow, werde aufgehoben (mehr hier).

Doch schon seit den Terroranschlägen von Boston im April sind die russischen Behörden in Alarmbereitschaft. „Für Russland, das bald eine ganze Reihe von sportlichen Großveranstaltungen austrägt, ist das eine ernste Warnung“, zitierte RIA Novosti Vitaly Mutko, russischer Minister für Sport, Tourismus und Jugendpolitik kurz nach der Katastrophe mit mindestens drei Toten und 144 Verletzten (mehr hier).

Noch Anfang März dieses Jahres war die Stimmung eine andere. Damals ließ der Vizechef des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB Wladimir Kuleschow verlauten, dass bei den Winterspielen in Sotschi keine Sondermaßnahmen getroffen würden. „Die Organisatoren und der Stab werden sich hauptsächlich darum kümmern, dass sich die Olympia-Teilnehmer und die Gäste wie selbstverständlich auch die Einwohner von Sotschi komfortabel fühlen“, zitiert RIA Novosti Kuleschow, der zugleich den Apparat des Nationalen Anti-Terror-Komitees leitet. Es würden allerdings bestimmte Maßnahmen zur Einschränkung der Verbreitung von Waffen, Sprengstoffen und Munition ergriffen werden. Diese Vorkehrungen, darunter auch Kontrollen am Eingang des Olympia-Geländes, so Kuleschow, entsprächen den internationalen Sicherheitsnormen.

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