Reporterin belästigt: Türkische TV-Station boykottiert AKP-Veranstaltungen

Ein türkischer TV-Sender weist nun allzu eifrige Anhänger des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdoğan in die Schranken. Weil hauseigene Reporter zuletzt heftigen Belästigungen ausgesetzt gewesen sein sollen, wolle die Anstalt nun keine Journalisten mehr zu Veranstaltungen der regierenden Partei senden.

Ein unschöner Vorfall am vergangenen Freitag ist für den zur İpek Media Group gehörenden Sender Kanaltürk TV Anlass genug, um die Berichterstattung bei Veranstaltungen der regierenden AKP künftig einzustellen. Eine Reporterin des Senders soll während einer Kundgebung auf dem Atatürk Flughafen in Istanbul von einem Parteianhänger belästigt worden sein. Dort waren die Unterstützer Erdoğans zusammengekommen, um den Premier zu empfangen.

Die Journalistin Nilay Karakaş soll während der Live-Berichterstattung verbal von einem Parteianhänger angegangen worden sein. Kanaltürk TV hatte in den vergangenen Tagen kritisch über die Haltung der Regierung im Korruptionsskandal in der Türkei berichtet. Die junge Reporterin und ihr Kameramann Yasin Kamaloğlu brachen die Übertragung sofort ab und verließen aus Angst um ihre Sicherheit sofort die Szenerie.

AKP-Veranstaltungen: Journalisten sind nicht mehr sicher

Die Mediengruppe reagierte sofort. Tarık Toros, Chefredakteur von dem zum Haus gehörenden Sender Bugün TV, erklärte, dass die İpek Media Group über keine AKP-Veranstaltungen dieser Art mehr berichten werde. Als Grund nannte er die Bedrohung von Mitarbeitern und die fehlende Sicherheit. Toros zufolge, sei Karakaş mit heftigen Obszönitäten beleidigt worden, während sie einfach wie jeder andere Reporter vor Ort versuchte, ihre Arbeit zu machen.

Im Gespräch mit der türkischen Zeitung Zaman gab Toros an, dass man AKP-Sprecher Hüseyin Çelik über den Vorfall informiert habe. Bisher hätte man jedoch keinerlei Rückmeldung erhalten.

Nach Ansicht von Toros seine die zunehmende Spannung und Angriffe gegen die Medien eine Folge der scharfen Rhetorik des Ministerpräsidenten. „Dies ist eine direkte Spiegelung dessen, was auf dem Podium zu den Massen gesagt wird.“ Dieser Trend sei ebenso besorgniserregend wie die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Medien und Regierung. Nicht wenige betreiben mittlerweile Selbstzensur (mehr hier). Es gehe hier nicht nur um die hauseigene Reporterin und die Belästigung, die sie erlebt hat, sondern um eine zunehmende Polarisierung innerhalb der Gesellschaft.

Kolumnist wegen kritischer Zeilen gefeuert

Toros stellte heraus, dass die Reporterin angegangen worden sei, obwohl das Team das Senderlogo von der Ausrüstung entfernt hätte. Das sei aus Angst vor der Reaktion der AKP-Anhänger aufgrund ihrer jüngsten kritischen Berichterstattung geschehen.

Unterdessen wurde bekannt, dass Osman Özsoy, Kolumnist der regierungstreuen Zeitung Yeni Şafak seinen Posten räumen musste. Er vermutet, dass es Druck von Seiten der Regierung gegeben habe, ihn zu feuern. In seinem Beitrag vom 24. Dezember hatte Özsoy versucht, den vom islamischen Gelehrten Fetullah Gülen ausgesprochenen Fluch über diejenigen, die versuchen würden die Korruptionsuntersuchungen zu behindern (mehr hier), zu rechtfertigen. Obendrein verfasste er einige Tweets, in denen er die Eingriffe der Regierung in die Untersuchungen kritisierte. Ähnlich erging es auch der bekannten türkischen Journalistin Nazlı Ilicak, die öffentlich den Rücktritt des Premiers gefordert hatte (mehr hier).

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