Korruptionsskandal: Türkische Märkte werden zum Verlierer des Jahres

Das Jahr 2013 geht für die türkischen Märkte mit einem herben Schlag zu Ende. Der Machtkampf zwischen Premier Recep Tayyip Erdoğan und der Justiz hat dem Aktienmarkt des Landes derart zugesetzt, dass er nun als der schlechteste Performer des Jahres da steht. Auch die Währung hat gelitten. Sie findet sich derzeit in einem beispiellosen Tief wieder.

Schon vor dem Neujahrsmorgen herrscht an den den türkischen Märkten Katerstimmung. Die vergangenen Tage waren überschattet von immer neuen Negativmeldungen. Die Bilanz zum Jahresende fällt denkbar schlecht aus. Der Korruptionsskandal hat die Investoren verschreckt. Kein Markt hat so enttäuscht.

Im vergangenen Monat hat allein der Borsa Istanbul National 100 Index (XU100) um ganze 15 Prozent nachgegeben. Das ist das schlechteste Ergebnis unter insgesamt 90 von Bloomberg beobachteten Werten. Im gesamten Jahresverlauf büßte er gar 27 Prozent ein. Die Türkische Lira verlor im Dezember 4,9 Prozent. Ähnlich erging es innerhalb der Schwellenländer lediglich dem argentinischen Peso. Erst in der vergangenen Woche erreichte die Lira ihr historisches Rekordtief mit 2,1764 gegenüber dem US-Dollar (mehr hier).

Türkei: Die Risiken manifestieren sich

Mittlerweile droht die aktuelle politische Krise die wirtschaftlichen Gewinne der vergangenen Dekade ins Gegenteil zu verkehren. Die Ermittlungen, die von Premier Erdoğan als Putschversuch verstanden werden (mehr hier) vertiefen den Konflikt zwischen der Regierung und dem in den USA lebenden Prediger Fetullah Gülen. „Das Ganze lässt die Türkei auffallen wie ein bunter Hund“, zitiert Bloomberg Arnab Das, Gründer des Londoner Beratungsunternehmens Das Capital. Die Risiken in der Türkei würden sich derzeit manifestieren.

Am heftigsten erwischt hat es die in Istanbul ansäßige Ihlas Holding (IHLAS) AS. Die Holdinggesellschaft, die Bau-, Gesundheits-und Bildungsunternehmen vereint, büßte in diesem Jahr ganze 66 Prozent ein und hat damit die schlechteste Performance unter den 100 Mitgliedern des Borsa Index. Nicht viel besser erging es dem Elektrotechnikunternehmen Anel Elektrik Proje Taahhut ve Ticaret AS, das 53 Prozent verlor.

Zusehends verabschiedeten sich ausländische Investoren. Bereits bis zum 20. Dezember stießen sie Papiere im Wert von 1,9 Milliarden US-Dollar ab. Die Folge: Ihr Bestand stürzte von 72 Milliarden Dollar im Mai auf ein Drei-Monats-Tief von 54 Milliarden US-Dollar. Für Julian Rimmer, Broker bei der Londoner CF Global Trading UK Ltd, ist klar: Bleiben die Zinsen für einen langen Zeitraum hoch und schwächelt die Währung weiter, dann werde sich das definitiv auf die Wirtschaftsleistung auswirken. Für einige Anleger mag die aktuelle politische Krise aber auch eine willkommene Gelegenheit sein, um günstig auf Aktien-Einkaufstour zu gehen.

„Was als lokaler Machtkampf innerhalb der herrschenden religiösen politischen Elite begann, scheint nun eine Sache zu werden, die nicht nur die Finanzmärkte destabilisiert, sondern auch in andere Renten-und Devisenmärkten der Region überschwappen könnte“, so Michael Shaoul, CEO von Marketfield Asset Management LLC.

Zentralbank stützt Lira mit massivem Dollarverkauf

Bis zu diesem Jahr war die Türkei als das einzige Mitgliedsland der NATO im Nahen Osten, Liebling der Investoren. Von März 2003 bis zum Ende des Jahres 2012 kletterte der Benchmark-Aktienindex um 505 Prozent nach oben. Auch der MSCI Emerging Market Index legte um 275 Prozent zu. Mittlerweile hat sich das Klima in der Türkei gedreht. „Das zugrunde liegende Problem ist, dass Erdoğan immer autoritärer wird und sich immer weniger auf die Institutionen in der Türkei konzentriert. Das ist letztlich eine richtig schlechte Sache“, so Das Capital.

Die türkische Notenbank hatte sich am Montag noch einmal gegen den andauernden Wertverlust der Landeswährung gestemmt. Die Zentralbank verkaufte 600 Millionen US-Dollar und erwarb dafür türkische Lira. Es war die größte Intervention am türkischen Devisenmarkt seit Juli, so Finanzen.net. Mit Erfolg: Dank der Intervention ging die Lira wieder 1,6 Prozent nach oben. 2,1274 Lira mussten darauf hin für den US-Dollar bezahlt werden. Die Istanbuler Börse legte bis zum Handelsschluss am Montag 6,42 Prozent zu.

Die aktuellen Ermittlungen im Korruptionsskandal haben die türkische Wirtschaft nach Angaben des Industriellen- und Unternehmerverbands MÜSİAD bis zum 26. Dezember 100 Milliarden Türkische Lira gekostet. Bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag verzeichnete die türkische Börse Verluste in Höhe von rund 77 Milliarden Lira, etwa 26.002.900 Euro. Mittlerweile spricht der Vizepremier Bülent Arinç von  einem 100 Milliarden Dollar Verlust.

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