Kampf gegen die Sucht: Mehr als eine Million Türken entsagen dem Glimmstengel

Rund um den Globus starten die Menschen mit guten Vorsätzen ins Neue Jahr. Endlich mit dem Rauchen aufzuhören, ist der Klassiker schlechthin. Gut eine Million Türken haben das in den vergangenen vier Jahren schon geschafft. Unterstützt wurden sie dabei wesentlich durch staatliche Bemühungen.

Die Anzahl der Raucher in der Türkei ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Zurück zu führen ist diese Entwicklung auf eine Reihe von Vorschriften und Kampagnen der türkischen Regierung zur Suchtbekämpfung. In vier Jahren schworen so rund eine Million dem Glimmstengel ab. Das geht aus einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum weltweiten Tabakkonsum hervor.

„In der Türkei ist die Prävalenz des Rauchens deutlich von 32,2 Prozent, also 16 Millionen, im Jahr 2008 auf 27,1 Prozent, 14,8 Millionen, im Jahr 2012 zurückgegangen“, so die WHO in ihrem Report. Obwohl die Türkei eine lange Tradition des Tabakkonsums und eine hohe Prävalenz des Rauchens vor allem unter jungen Männern habe, verringere sich nun der Tabakkonsum mit „beispielloser Geschwindigkeit“.

Die Zahl der türkischen Raucher sank allein seit 2008 um insgesamt 13,4 Prozent. Das waren 13,5 Prozent bei den Männern und 13,7 Prozent bei den Frauen. Aber: Mehr als ein Viertel der türkischen Erwachsene konsumieren auch weiterhin Tabak. Rauchen ist die häufigste Ursache für Krebs in der Türkei (mehr hier). Alles in Allem ist die Rate der erwachsenen männlichen Raucher von 47,9 Prozent im Jahr 2008 auf 41,5 Prozent im Jahr 2012 gesunken. Die Zahl der Raucherinnen, die insgesamt deutlich niedriger ist, als die der männlichen Raucher, sank von 15,2 Prozent im Jahr 2008 auf 13,1 Prozent im Jahr 2012.

In ihrem Bericht würdigt die WHO die Türkei als das einzige Land weltweit, das seine gesamte Bevölkerung von 75 Millionen Menschen schützt. Jede Maßnahme, die von der WHO im Kampf gegen den Tabakkonsum eingeführt wurde, werde auf höchstem Niveau umgesetzt. Dieser Fortschritt sei ein Beleg für ein „nachhaltiges politisches Engagement der türkischen Regierung“ und ein „ausgezeichnetes Beispiel“ für die Zusammenarbeit zwischen der Regierung, der WHO, anderen internationalen Gesundheitsorganisationen und der Zivilgesellschaft. Für die Weltgesundheitsorganisation ist die Arbeit der Türkei auf diesem Gebiet vorbildlich und rät anderen Ländern zur Nachahmung.

In den vergangenen Jahren kam es unter der AKP-Regierung zu einer immer restriktiveren Alkohol- und Tabakpolitik. Die Steuerbelastung für Raucher ist seit 2003 enorm gestiegen. Und steigt aktuell erneut (mehr hier). Obwohl die Türkei bereits 1996 damit begonnen hat, mit rechtlichen Mitteln gegen das Rauchen vorzugehen, trat erst 2009 ein umfangreiches Rauchverbot in Kraft. Seither ist das Rauchen in allen geschlossenen öffentlichen Orten wie Bars, Cafés, Restaurants, Taxis , Zügen etc. verboten. Auch Lokale, die Wasserpfeifen anbietet, sind eingeschlossen.

Interessant ist übrigens auch, dass in der Türkei ein positiver Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und der Wahrscheinlichkeit zu rauchen besteht. In den meisten anderen Ländern rauchen eher ungebildete Schichten, in der Türkei ist es genau umgekehrt, so die Weltgesundheitsorganisation in einer Studie.

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