Protest mit Schuhkarton: Türkin reicht Beschwerde gegen Polizei ein

Verhaftet, weil sie mit einem Schuhkarton winkte: Eine türkische Bürgerin will das rigorose Vorgehen der Polizei nicht auf sich beruhen lassen. Sie legte Beschwerde ein. Jetzt befasst sich die Staatsanwaltschaft von Akhisar mit ihrem Fall.

Nurhan Gül hat sich durch ihre Verhaftung am vergangenen Wochenende nicht einschüchtern lassen. Die Frau, die während einer Ansprache des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdoğan mit einem Schuhkarton protestierte und darauf hin abgeführt wurde, schlägt nun zurück. Sie hat Beschwerde gegen die Polizeibeamten eingereicht, die am Sonntag in ihr Haus in der westtürkischen Provinz Manisa gestürmt waren.

Ihr Ehemann und Anwalt Erhan Gül erklärte am Donnerstag vor dem Gerichtsgebäude, dass die Staatsanwaltschaft von Akhisar nach Bekanntwerden der Angelegenheit in der Öffentlichkeit eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet habe. „Wir haben unsere Aussage beim Staatsanwalt gemacht (…) und Beschwerde eingelegt“, zitiert ihn die türkische Zeitung Zaman. Derzeit dürfe er sich nicht dazu äußern, man wolle sich aber nach Abschluss des Gerichtsverfahrens erneut zu Wort melden.

Nurhan Gül hatte einen Schuhkarton von ihrem Balkon aus gezeigt, als der türkische Premier Erdoğan am vergangenen Sonntag während einer Kundgebung zu seinen Anhängern im Distrikt Akhisar sprach. Kurz nach dem Protest der Frau tauchten Polizei und Bodyguards des Premierministers auf und nahmen sie fest. Erst nach einem zweistündigen Verhör auf der Polizeiwache kam sie wieder auf freien Fuß (mehr hier).

Bei der Polizei gab sie zu Protokoll, dass sie lediglich mit einem leeren Schuhkarton von ihrem Balkon aus gewunken habe. Gesagt habe sie jedoch rein gar nichts.

Im Gespräch mit Journalisten über den Vorfall sagte Gül, dass sie damit gegen die Säuberungsaktionen des Premiers innerhalb der Polizei und Staatsanwaltschaft protestieren wollte. Ihrer Ansicht nach sollte lieber schärfer gegen jene vorgegangen werden, die tatsächlich in Korruption und Bestechung verwickelt seien.

Bei einer Durchsuchung am 18. Dezember fand die Polizei 4,5 Millionen Dollar versteckt in diversen Schuhkartons im Hauses von Halkbank-Chef Suleyman Aslan vor. Der Halkbank-Manager wurde darauf hin am 21. Dezember wegen des Verdachts der Bestechung verhaftet. Dem aserbaidschanischen Unternehmer Reza Zarrab wird vorgeworfen, Bestechungsgelder in Höhe von 142 Millionen Lira, etwa 48.635.000 Euro, verteilt zu haben. Mithilfe der Halkbank soll Zarrab in den beiden letzten Jahren Gold im Wert von gut 5,8 Milliarden Euro über die Türkei in den Iran transferiert haben.

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