Neue Öl-Macht Kurdistan: Türkei beginnt Öl-Import aus der Autonomen Region

Die Türkei hat den Start des Ölimports aus Kurdistan gebilligt. Allerdings bedarf der Handel ins internationale Ausland der vorherigen Zustimmung der irakischen Zentralregierung. Die Annäherung zwischen der Türkei und Kurdistan könnte eine versöhnliche Kooperation zwischen der Türkei und der Autonomen Region einleiten – dank purem türkischen Eigeninteresse.

Der türkische Energieminister Taner Yildiz verkündete am Donnerstag, dass erstmalig Öl aus dem irakischen Kurdistan in die Türkei importiert wird. Der Öltransport verläuft via Pipeline aus dem nordirakischen Kirkuk nach Ceyhan an der Südküste der Türkei.

„Die Überstellung von Öl aus dem Irak nach Ceyhan hat begonnen. Das Öl wird im Tank gelagert“, so zitiert ihn das pakistanische Wirtschaftsmagazin Business Recorder unter Berufung auf lokale Medien.

Allerdings verweist der Minister auf das Vorbehaltsrecht der irakischen Zentralregierung: Jeglicher Verkauf von Öl aus Kurdistan muss von Bagdad genehmigt werden. Die irakische Regierung erhofft sich von diesem Zugeständnis der Türkei die Aufrechterhaltung der Kontrolle der Ölexporte.

Mit diesem Kompromiss versucht die türkische Regierung einen Spagat zwischen neuen Ansätzen in der Energiepolitik und der Reparatur der Beziehungen zum Nachbarland Irak. Selbst arm an natürlichen Ressourcen, bietet der Import aus Kurdistan dem Staat am Bosporus eine ideale Möglichkeit, die Zahl seiner Öl-Anbieter zu erweitern und somit einer zu starken Energie-Abhängigkeit von Russland und dem Iran entgegenzuwirken. Das Zugeständnis an Bagdad wiederum ist ein Versuch, die zuletzt belasteten Beziehungen zwischen der Türkei und dem Irak zu verbessern oder zumindest Verschlechterungen einzudämmen.

Die vergangenen Jahre war die türkisch-irakische Beziehung von Spannungen gezeichnet aufgrund der Weigerung der Türkei 2012, den flüchtigen vormaligen Vize-Präsident des Iraks, Tarek Al-Haschimi, auszuliefern. Ihm droht im Irak die Todesstrafe.

Der Wunsch nach mehr Selbstbestimmung in der Energiepolitik entfachte einen heftigen Streit zwischen der autonomen Region Kurdistans und der Regierung in Bagdad. Mit dem Ausgleich von kurdischen und zentralirakischen Interessen versucht die Türkei nun, wirtschaftlichen Eigennutz mit Pendeldiplomatie zu verbinden. Energieminister Yildiz hat bereits die Idee ins Spiel gebracht, die Erlöse des Verkaufs des irakischen Öls auf ein Treuhand-Konto einer türkischen Staatsbank anzulegen.

Bisher führt die Pipeline zwischen kurdisch-irakischen Kirkuk und Ceyhan Öl ein Volumen von 1,5 Millionen Barrel pro Tag. Der Irak plant dieses Jahr eine Steigerung des Exports auf 3,4 Millionen Barrel pro Tag. Mit drei Million Barrel stammt der Hauptanteil aus den Provinzen Bagdads, 400.000 Barrel aus Kurdistan.

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