Allein-Anspruch auf „Allah“: Malaiische Muslime kassieren mehr als 300 Bibeln

Der Namensstreit zwischen malaiischen Christen und Muslimen eskaliert: In einem Überfall entreißen organisierte Muslime christlichen Gruppen die Bibeln. Sie wollen damit einen angeblichen Missbrauch des Wortes „Allah“ unterdrücken. Die Regierungspartei stuft dieses Verhalten als rechtens ein. Das landläufig als Musterbeispiel einer „islamischen Demokratie“ geltende Land gerät immer stärker in ein Klima aus Intoleranz und Fanatismus.

In Selangor, einem Gliedstaat der Föderation Malaysia, haben Muslime im Auftrag der lokalen islamischen Autorität 321 Bibeln der gemeinnützigen Bibelgesellschaft beschlagnahmt. Sie begründeten den Überfall mit dem unerlaubten Gebrauch des Wortes „Allah“. Die Verwendung des arabischen Wortes sei nur Muslimen bestimmt.

„Uns wurde gesagt, dass gegen uns ermittelt wird wegen Bruch eines Gesetzes, das Nicht-Muslime die Benutzung des Wortes Allah untersagt“, zitiert die türkische Zeitung Zaman den Vorsitzenden der Bibelgesellschaft in Selangor, Li Min Tschun.

Vertreter der Regierungskoalition United Malays National Organisation (UMNO) unter Premierminister Najib Razak verweisen auf die Rechtmäßigkeit dieses Gewaltaktes. „Es gibt Gesetze in Selangor und eine Verfügung Seiner Königlichen Hoheit des Sultans. Alles, was sie (die Aggressoren, Anm. d. Red.) tun, ist, der Verfügung des Sultans nachzukommen“, so Vize-Premier und UMNO-Vize Mujiddin Jassin gegenüber lokalen Medien. „Sie tun nichts, was gegen das Gesetz verstöße.“

Jassin bezieht sich auf ein Dekret des Sultans von Selangor, das 2013 den Christen des Staates auf der malaiischen Halbinsel die Verwendung des Wortes Allah in heiligen Schriften verbot. Außerdem rief er Muslime dazu auf, sich gegen „böse Elemente“ zur Wehr zu setzen. Muslimische Geistliche folgen ihm in dieser Auffassung und gewinnen immer mehr an Einfluss (mehr hier).

Mit der Einstufung als immerhin „Unvollständige Demokratie“ bzw. „teilweise frei“ gilt Malaysia nach Ansicht von Demokratie-Forschern von Freedom House und Economist neben Indonesien als eines der beiden einzig existierenden Beispiele von Demokratien mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit. Anders als die beiden Pazifik-Staaten wird die Türkei als Hybridregime eingestuft. Dennoch steht Malaysia laut Open Doors auf Platz 42 der 50 hartnäckigsten christenverfolgenden Staaten.

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