Geburtenrückgang: Erdoğan verspricht Steuerfreiheit für Mütter

Der landesweite Geburtenrückgang bereitet der Türkei Kopfzerbrechen. Nun soll dem mit einer ungewöhnlichen Lösung entgegnet werden. Jede berufstätige türkische Frau, die mindestens drei Kinder zur Welt bringt, soll von der Einkommens-Steuer befreit werden.

Premierminister Erdoğan steht aufgrund seines autoritären Regierungs-Stils sowohl in Europa als auch in der Türkei in der Kritik. Doch die Mehrheit der Türken steht nach wie vor hinter ihm. Sein Kabinett arbeitet aktuell an einem Gesetzespaket, welches den Geburtenrückgang in der Türkei aufhalten soll.

Weibliche Arbeitnehmerinnen mit drei Kindern sollen vom Arbeitnehmer-Anteil der Einkommenssteuer komplett befreit werden, berichtet ntvmsnbc. Die aktuelle Geburtenrate liegt bei zwei Kindern pro türkische Frau (mehr hier). So lag die Geburtenrate im Jahr 2012 bei 2.09. 2002 lag sie noch bei 2,27, berichtet countryeconomy.com. Des Weiteren sollen die finanziellen Beihilfen und Pflegehilfen für Pflegefamilien steigen, berichtet das Wirtschafts-Portal Ekotrent.

Zwar steigt die Bevölkerungszahl der Türkei weiterhin an, 2023 soll sie bei 84.2 Millionen liegen, und steht damit in deutlichem Gegensatz zu den meisten europäischen Staaten. Doch die Geschwindigkeit wird in den nächsten Jahren abnehmen. Es wird prognostiziert, dass die Bevölkerung der Türkei bis 2075 mit 89 Millionen wieder sinken soll (mehr hier).

Den Bevölkerungsrückgang und den Alterungsprozess könnte die Türkei vorübergehend abbremsen, indem sie im Zuge einer wachsenden Wirtschaft Menschen aus dem Ausland ins Land holt. Dabei bieten sich verschiedenen Optionen an: Zum einen könnte sie sich an den humanen Ressourcen der Auslandstürken bedienen. Zudem kann sich die Türkei an den Bevölkerungsgruppen der zentralasiatischen Turk-Staaten und der Kaukasus-Völker bedienen. Auch in Ost-Turkestan (West-China) befinden sich noch viele ethnische Türken. Die türkisch geprägten Muslime auf dem Balkan sind eine weitere Option. Doch dort sind die humanen Reserven ohnehin gering.

All diese benannten Optionen werden aus dem Blickwinkel der kulturellen Nähe betrachtet. Doch es besteht auch die Möglichkeit zunehmend Flüchtlinge aufzunehmen, um diese anschließend in die Gesellschaft zu integrieren. Auch die jungen arabischen Bevölkerungsteile des Nahen Ostens könnten sich als Zuwanderungs-Alternative anbieten.

Eine reine Einwanderung von gut ausgebildeten Fachkräften würde der Türkei nur bedingt helfen. Denn es sind immer die unausgebildeten Bevölkerungsteile, die in der ersten Generation einen Überschuss an Kindern bieten. Erst dies schafft die Grundlage, um den Bevölkerungsrückgang zu verhindern. Zu beachten ist, dass es jenen Kindern aus sozial schwachen Familien ermöglicht wird, ihre Potentiale im Bildungssystem umfassend in die Tat umzusetzen. Es ist ein kurzer Prozess diese Kinder innerhalb einer Generation wertschöpfend in die Gesellschaft zu integrieren. Wichtig ist lediglich, dass die Aufnahme-Gesellschaft diese Menschen aufnimmt.

Im Gegensatz zu den EU-Staaten hat die Türkei den Vorteil, dass es über kein ausgeprägtes Sozialsystem verfügt. Das Argument der Einwanderung in die Sozialsysteme kommt somit nicht in Frage. Zusätzlich ist das Bildungssystem sozial durchlässig. In Deutschland wird hingegen im Bildungs-System nach der sozialen Herkunft selektiert (mehr hier). Auch hier unterscheidet sich die Türkei von den EU-Staaten.

Premier Erdoğan selbst ist der Sprössling einer armen Familie vom Schwarzen Meer, der in den Armenvierteln von Istanbul aufgewachsen ist. Auch zahlreiche Minister der AKP-Regierung sind in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen.

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