Trotz politischer Krise: US-Ökonom erwartet Wirtschaftswachstum für Türkei

Der Korruptionsskandal wird den wirtschaftlichen Aufschwung der Türkei nicht grundlegend erschüttern. Davon ist US-Starökonom Nouriel Roubini überzeugt. Im ungünstigsten Falle könnte die türkische Wirtschaft einen Dämpfer bekommen. Seine Warnungen decken sich mit den alten Befürchtungen über die Risiken des Booms.

Nouriel Roubini war noch nie für übertriebenen Optimismus bekannt. Umso größer klingt die Anerkennung aus dem Mund des prominenten US-Volkswirt mit dem Beinamen „Dr. Doom“ („Dr. Untergang“): Die Türkei schlage in ihrem wirtschaftlichen Reformkurs die richtige Richtung ein. Somit bestätigt „Dr. Doom“ die Zuversicht des türkischen Wirtschaftsministers Babacan (mehr hier). Allerdings sind nicht alle Gefährdungen für die türkische Volkswirtschaft vollständig beseitigt.

Die positiven Aspekte übersteigen negative Faktoren, wie das türkische Wirtschaftsmagazin Habermonitör berichtet. „Türkeis Wirtschaftsreformen gehen in die richtige Richtung, müssen aber, wie ich denke, sich fortsetzen.“, so Roubini auf einer vom Studenten-Förderungs-Netzwerk „Knowledge is Power Program“ (KIPP) organisierten Konferenz am Seyhan. „Baisse-Risiken müssen aber überwunden werden.“

Seit der Subprime-Krise 2008/2009 wüchsen Schwellenländer stärker als Industrieländer. Nach Roubinis Ansicht wird sich der Geschwindigkeitsunterschied in den folgenden Jahren noch weiter verschärfen zugunsten von Schwellenländern wie der Türkei.

Roubini sieht die Türkei als Beispiel eines weiterhin aufstrebenden Schwellenlandes neben Indien, Indonesien, Brasilien, Südafrika, Ungarn, Ukraine, Argentinien, Venezuela und China. Die wichtigsten Trümpfe der türkischen Wirtschaft sind ihr Vorstoß in wachsende Märkte, ihre erfolgreiche Industriepolitik, ihre junge Bevölkerung und ihr wachsendes Pro-Kopf-Einkommen. „Die Zahl der Waren und Dienstleigungen steigen, die Investitionen steigen, die Nachfrage steigt“, so Roubini über die türkische Volkswirtschaft. „Mit zunehmender Globalität wird die Wirtschaft sehr viel effektiver in neue Märkte vordringen. Dies steigert die Effektivität der Türkei“.

Dass das türkische BIP-Wachstum in den nächsten Jahren 3 Prozent nicht überschreiten werde, wie Roubini glaubt, läge seiner Meinung nach darin, dass die Türkei im Gegensatz zu den Staaten der europäischen Union ihr Potential allmählich ausgeschöpft habe. Es sei folglich schwierig, mit dem Tempo der letzten Jahre Schritt zu halten. Außerdem dämpfe die Krise in Europa den türkischen Export.

Ein weiterer externer Negativ-Faktor liegt in der geographisch entgegengesetzten Richtung: Die militärische und politische Instabilität im Nachbarland Syrien lassen die Export-Chancen des Landes am Bosporus ebenfalls schrumpfen. Für diese externen Effekte ist die Türkei natürlich nicht verantwortlich.

Demgegenüber stehen eine Reihe positiver Aspekte, die direkt auf die Reformen türkischer Politik zurückgehen. Die öffentliche Verschuldung ist in der letzten Dekade deutlich zurückgegangen. Zusätzlich spielt die Türkei als regionaler Knotenpunkt eine immer größere Rolle. Ein Beispiel dafür ist die gemeinsame Pipeline von Irak und Türkei (mehr hier).

Trotz dieser positiven Entwicklungen bezeichnet der Ökonom nach Berichten des Guardian als „fragil“. Die größten Bedrohungen stellen die hohe Arbeitslosigkeit, das hohe Leistungsbilanzdefizit und die hohe Inflation dar.

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