Ungewöhnliche Allianz: Türkei und Iran vereinbaren Gründung eines Kooperationsrates

Die Außenminister der Türkei und des Iran haben die Gründung eines Hochrangigen Kooperationsrates beschlossen. Damit bekommt die türkisch-iranische Beziehung eine neue Qualität. Insbesondere in der Wirtschafts- und Energiepolitik sollen Kontakte vertieft werden. Die Türkei sieht nach den Fortschritten in den Verhandlungen über Irans Atomprogramm die Zeit für eine Annäherung gekommen.

Auf einer Konferenz in Ankara haben Irans Außenminister Dschawad Sarif und sein türkischer Amtskollege Ahmet Davutoğlu neue Perspektiven türkisch-iranischer Zusammenarbeit diskutiert. Thema waren aktuelle regionale und internationale Fragen, die beide Länder betreffen. Zu diesem Zweck wollen beide Länder einen gemeinsamen Hochrangigen Kooperationsrat etablieren.

Genauere Pläne über Gestalt und Funktion dieses Rates wurden bisher nicht bekannt gegeben, wie zum Beispiel ob der Rat mit Kompetenzen ausgestattet sein wird und somit dem Ministerrat der europäischen Union gliche, oder ob er rein beratende Funktion habe.

Der Einrichtung des Rats sollen laut einer Mitteilung der türkischen Botschaft in Deutschland mehrere Besuche der Regierungschefs der beiden Länder vorausgehen. Dabei sollen die Vorbereitungen zur Gründung des Rates abgeschlossen werden.

Außerdem einigten sich die beiden Außenminister darauf, dass das Treffen der Außenminister der Türkei, des Iran und Aserbaidschans in der Türkei stattfinden werde.

Im Zusammenhang mit den Vereinbarungen zu dem Kooperationsrat pries Davutoğlu die Fortschritte in der sogenannte „fünf-plus-eins-Länder“-Vereinbarung vom November vergangenen Jahres. In dieser einigten sich fünf westliche Mächte plus Deutschland mit dem Iran über sein Atomprogramm.

Die Gründung eines Kooperationsrates wäre eine versöhnliche Geste nach vereinzelten Spannungen zwischen dem Staat am Bosporus und dem Mullah-Staat zwischen Golf und Kaspischem Meer. Im September 2011 führte die Stationierung von Abwehrraketen in der Türkei zu einer diplomatischen Eiszeit, weil das Staats- und geistige Oberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, die Installation als militärische Rückversicherung für einen israelischen Angriff deutete und der Türkei deshalb Drahtzieherschaft vorwarf. In diesem Zusammenhang drohte Teheran der Türkei sogar mit einem Raketenbeschuss (mehr hier).

Auch in der Syrien-Politik kamen die beiden Staaten auf keinen gemeinsamen Nenner. Während die Türkei ein Ende der Unterstützung Assads durch den Iran forderte, versuchte Chamenei, die Türkei zur Neutralität zu drängen (mehr hier).

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