Weltverfolgungsindex 2014: Christenverfolgung nimmt dramatisch zu

Die Religionsfreiheit ist in weiten Teilen der Welt auf dem Rückzug. Das typische christenverfolgende Land ist autokratisch, islamisch geprägt, ein „Failed State“ und liegt in Asien oder Nordafrika, so das Ergebnis einer Studie von Open Doors. Die Türkei hingegen ist das zweite Mal infolge nicht Teil der Spitzengruppe. Damit zeichnet sich die Türkei als eines der beiden weltweit einzigen Länder mit muslimischer Mehrheit aus, die nicht durch systematische Christenverfolgung auffallen.

 

Die Zahl der weltweit verfolgten Christen hat sich von 2012 auf 2013 auf 100 Millionen erhöht. Insbesondere in Afrika, dem Nahen Osten und Zentralasien, aber auch in Teilen Fernosts und Südost-Asiens sind die ansässigen Christen Verfolgungen, Benachteiligungen, Einschränkungen, Anfeindungen und sogar Gewalt ausgesetzt. Je nach Grad der Diskriminierung können Christen im milderen Falle nur eingeschränkt ihrem Glauben nachgehen oder müssen im schlimmsten Fall um ihr Leben fürchten.

In einer überwiegend wissenschaftlichen Studie der Nicht-Profit-Organisation Open Doors werden die Länder nach folgenden Kriterien eingeteilt: 1. Haben Christen ein Recht auf ein geschütztes Privatleben, sodass sie zuhause ungestört beten können oder müssen sie Hausdurchsuchungen fürchten? 2. Versuchen der Staat oder mächtige Gruppen, die Familienmitglieder von Christen ihrem Glauben durch nicht-rechtsstaatliche Methoden zu entfremden? 3. Können Christen am sozialen Leben teilhaben und sich frei in der Öffentlichkeit bewegen? 4. Kommt es von staatlicher Seite in Gesetzgebung oder Rechtsprechung zu Einschränkungen von Glaubensfreiheit? 5. Haben Christen die Freiheit, ihren Glauben in einer Gemeinschaft zu praktizieren? 6. Wird eines dieser Kriterien durch körperliche Gewalt eingeschränkt?

Nach der Studie wird die Liste der christenverfolgenden Staaten von Nordkorea angeführt. Ihnen folgen islamische Despotien sowie „Failed States“ wie Somalia, Syrien, Irak, Afghanistan, Malediven, Pakistan, Iran und Jemen. Am stärksten nahm die Christenverfolgung in afrikanischen Ländern zu. Das augenfälligste Beispiel für eine sprunghafte Entwicklung bildet die Zentralafrikanische Republik, die nach dem blutigen Putsch der muslimischen Séléka-Rebellen gleich auf Platz 16 sprang.

Wenig überraschend ist die rapide Verschlechterung der Lage in Syrien im Zuge des Bürgerkrieges. Das Land rückte von Platz 11 auf Platz 3 vor. Etwas kontinuierlicher ist die Entwicklung in Somalia. Als Südsahara-Staat eher untypisch für Christenverfolgung, stieg das Land zwei Ränge auf Platz 2 bei Erhöhung der Punktzahl von 66 auf 80 (zehn Punkte hinter Spitzenreiter Nordkorea).

Als treibende Kraft hinter der Verfolgung von Christen sieht die Studie den Islamischen Extremismus (S.6). Die Studie führt den schnellen Anstieg der Christenverfolgung in der Sahel-Zone auf den Umstand zurück, dass in dieser Region 20 Prozent aller Christen dieser Erde mit 14 Prozent der weltweiten Muslime in Nachbarschaft leben. Damit steht die Studie in Einklang mit der „Proximity plus Diversity equals War“-Theorie des amerikanischen Psychologen Zachary Neal von der Michigan State University.

Open Doors weist darauf hin, dass eine Verschiebung in der Rangfolge im Index nicht unbedingt etwas darüber aussagt, ob sich die Situation für Christen real verbessert habe. Es gibt Fälle, in denen die Lage in einzelnen Ländern konstant schlecht bleibt oder sich verschlechtert, die Lage in einem oder mehreren anderen Ländern sich aber noch dramatischer verschärft. Daraus ergäbe sich eine rein optische Verbesserung.

Dies trifft auf die Türkei jedoch nicht zu: Ein Vergleich mit den Berichten von 2012 und 2013 zeigt, dass sich deren absolute Punktzahl von 2012 bis 2014 verringert hat. Dies beweist eine absolute und nicht nur relative Verbesserung der Lage für Christen in der Türkei.

Die Türkei ist somit neben dem Libanon einer der beiden einzigen mehrheitlich muslimisch bevölkerten Staaten dieser Welt, die nicht durch Christenverfolgung gekennzeichnet ist. Selbst die Staaten Mali, Malaysia und Indonesien gehören in die Top 50, obwohl sie von Demokratie-Forschungs-Instituten wie „Freedom House“ und „Demokratie-Index“ gelegentlich als „fehlerhafte Demokratien“ bezeichnet werden.

Mehr zum Thema:

Studie: Christentum ist die weltweit am meisten verfolgte Religion
Christenverfolgung in afrikanischen Ländern nimmt zu
Christenverfolgung ist in Nordkorea am schlimmsten

 

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.