Neuanfang mit 71 Jahren: Türkisch-Deutscher Unternehmer Öger will es noch einmal wissen

Seine ersten Flugscheine tippte Vural Öger auf einer Schreibmaschine. Damals, im Jahr 1969, startete der türkisch-deutsche Unternehmer ganz bescheiden mit seinem Nurflugdienst Öger Türk Tur. Jahrzehnte später ist er aus dem Reisegeschäft nicht mehr wegzudenken. In den wohlverdienten Ruhestand verabschieden will sich der 71-Jährige aber nicht. Nach dem Verkauf von Öger Tours an Thomas Cook, bricht er nun auf zu neuen Ufern.

Sich zurücklehnen und den Ruhestand genießen, das scheint nicht die Sache von Vural Öger. Der 1942 in Ankara geborene türkisch-deutsche Unternehmer und SPD-Politiker will mit einem neuen Touristikunternehmen noch einmal ganz von vorne anfangen. In Hamburg überraschte er jetzt mit der Gründung der V.Ö. Travel – Vural Öger Touristik.

Nach den bescheidenen Anfängen Ende der 60er Jahre leitete Öger von 1982 bis 12. Juli 2010 als Geschäftsführer die Geschicke der Öger Tours GmbH. Die Geschäfte liefen gut. Öger Tours stieg zum sechstgrößten deutschen Reiseveranstalter auf. Vor drei Jahren dann die Zäsur: Sein Unternehmen ging nach mehrmonatigen Verhandlungen für 30 Millionen Euro an den Konkurrenten Thomas Cook. Ab dieser Sommersaison will der dreifache Familienvater, der sowohl in Deutschland als auch in der Türkei lebt, aber wieder richtig mitmischen und Pauschalreisen in verschiedene Regionen der Türkei anbieten.

Los gehen soll es bereits am 10. April, so das Hamburger Abendblatt. Öger zufolge werde man „an jedem deutschen Flughafen präsent sein und auch zahlreiche Ziele in der Türkei anfliegen“. Vereinfacht wird dieses Vorhaben durch einen einfachen Umstand. Nach wie vor gehört Öger die Fluglinie Öger Türk Tur. Und die hat fast alle türkischen Destinationen auf dem Flugplan.

Nicht ganz unbeteiligt sollen an seinem Wiedereinstieg übrigens türkische Hoteliers gewesen sein, so das Blatt weiter. Die deutschen Urlauber seien dort sehr beliebt (mehr hier). Schon jetzt gäbe es Verträge mit „einigen Hundert Herbergen“. Noch im Januar sollen die Reisekataloge verteilt werden. Mit 1000 Reisebüros soll es eine Zusammenarbeit geben.

Als Mittelständler die großen Konkurrenten abhängen

Längerfristig hat studierte Diplom-Ingenieur und Mitbegründer der Deutsch-Türkischen Stiftung (DTS) allerdings nicht nur die Türkei im Blick. Ziele wie Spanien, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate sollen ebenfalls ins Angebot wandern. Noch ist das Zukunftsmusik. Mit im Boot hat er derzeit seine in der Türkei lebende Tochter Nina, die sich sowohl um die Verhandlungen mit den Hotels als auch um die acht familieneigenen Hotels kümmert. Daneben gibt es einen Call-Center in der Türkei und 14 Mitarbeiter in Hamburg.

Wie er sich erfolgreich zurück ins Spiel bringen will, weiß Öger bereits ganz genau: „Wir werden ein Mittelständler in der Branche sein, der flexibler als die großen Konzerne ist. Wir haben auch kürzere Entscheidungswege“, zitiert ihn das Hamburger Abendblatt. Sein anfängliches Ziel: Die Vermittlung von 100.000 Pauschalreisen.

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