Bürgerkrieg in Syrien: Die UN kann die Toten nicht mehr zählen

Fast drei Jahre nach Beginn der blutigen Auseinandersetzungen in Syrien hat die UN offenbar vor den Kriegswirren kapituliert. Künftig wird es keine Aktualisierungen der Todesopfer-Statistiken mehr geben. Die Quellenlage ist zu unsicher geworden.

Die UN hat aufgehört, die Zahlen der Opfer des syrischen Bürgerkrieges zu aktualisieren. Ende Juli vergangenen Jahres waren es mindestens 100.000 Tote. Mittlerweile können die Quellen jedoch nicht mehr einwandfrei verifiziert werden.

Wie Rupert Colville, Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, mitteilt, habe die Organisation derzeit keinen Zugang mehr zu den umkämpften Gebieten. Man sei nicht in der Lage, die Daten externer Quellen zu überprüfen.

„Es war immer ein schwieriges Unterfangen“, zitiert The Independent Colville. Eine Garantie, dass das Quellenmaterial korrekt sei, wäre immer eine haarige Sache gewesen. Derzeit sei das absolut nicht mehr möglich. Aus diesem Grund wurden die Zählungen ausgesetzt. Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London, die den aktuellen Stand mit mehr als 130.000 Toten angibt, betrachtet die UN kritisch.

Bisher ermittelte das UN-Hochkommissariat die Opferzahlen in einem aufwendigen Verfahren. Herangezogen wurden nicht nur mehrere unterschiedliche Quellen. Aufgenommen wurden zudem nur jene Toten, deren vollständiger Name sowie der Ort und das Datum ihres Todes bekannt waren. Die Angaben mussten außerdem von unabhängigen Experten als glaubhaft eingeschätzt werden.

Unterdessen wurde bekannt, dass sich die Bundeswehr an der Vernichtung der chemischen Waffen Syriens beteiligen wird. Der Zeit zufolge, sollen Reststoffe syrischer Chemiewaffen jetzt auch in Deutschland vernichtet werden. Bisher galt das Angebot technischer und logistischer Unterstützung bei der Vernichtung nur für den Fall außerhalb Deutschlands. Nun soll so genanntes Hydrolysat hierzulande unschädlich gemacht werden. Die Verbrennung werde von der  bundeseigene Gesellschaft zur Entsorgung von chemischen Kampfstoffen und Rüstungsaltlasten (GEKA) im niedersächsischen Munster vorgenommen.

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