Korruption wirkt: Türkische Lira wird bis zur Wahl um 6 Prozent fallen

Ein polnischer Wirtschaftsanalyst prognostiziert einen Verfall der türkischen Währung von sechs Prozent im Laufe der kommenden drei Monate. Damit setzt die Lira ihren Kurs als schlechteste Währung der wichtigsten Märkte der Welt fort. Schuld an dem Verfall der Währung seien die politischen Turbulenzen in der Türkei.

Die türkische Lira wird im ersten Quartal des neuen Jahres um sechs Prozent nachgeben. Damit wird sie sich auf 43 US-Cent pro Lira einpendeln. Anschließend wird sie bis Juni auf 41 US-Cent fallen, ehe sie sich stabilisiert. Dies sagt Przemyslaw Kwiecien voraus, Chef-Ökonom der X-Trade Broker Dom Maklerski in Warschau. Kwiecien erwies sich bei der Prognose für das letzte Quartal des vergangenen Jahres als präzisester Analyst der Welt. Die Lira wird damit das historische Tief von 45 US-Cent vom 6. Januar unterbieten.

Die Lira setzt damit ihren Verfallsprozess fort. Dieser setzte im Mai vergangenen Jahres als Folge der Proteste gegen die Regierung ein. Er beschleunigte sich auf dem Höhepunkt der Ermittlungen gegen Korruption im Dezember vergangenen Jahres (mehr hier). „In so einer instabilen Situation, die wir in der Türkei gerade haben, bedeuten Wahlen eine klare Warnung an Investoren, vorsichtig zu sein“, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg Kwiecien in einem Telefon-Interview.

„Vor den neuerlichen politischen Turbulenzen waren wir ziemlich zuversichtlich hinsichtlich der Lira“, sagt auch Soeren Hettler, Haupt-Devisenmarkt-Analyst der deutschen Zentralgenossenschaftsbank und fünft-präzisester Prognostiker. Nach seiner Meinung wird die Lira bis Ende des Jahres auf 42 US-Cent fallen, „da die politische Stabilität schwerwiegend gefährdet ist.“

Aktienmarkt büßt elf Prozent Volumen ein

Ein zusätzliches Risiko neben der Inflation stellt die Flucht ausländischer Investoren aus der Türkei dar. Diese bewirkt einen Einbruch des ausländischen Fremdkapitals für türkische Firmen. Am Donnerstag hat der türkische Aktienmarkt nach Berichten der FAZ vom elften Dezember bis vergangenen Donnerstag elf Prozent seines Volumens eingebüßt.

Um auch weiterhin für das Ausland attraktiv zu bleiben, weigert sich der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan beharrlich, der türkischen Zentralbank (TMB) eine Erhöhung des Zinssatzes zu gestatten. Dieser wäre eine erste notwendige Bedingung zur Eindämmung der Inflation. Stattdessen zehrt die Zentralbank an ihren Dollarreserven. Sie tauscht ihre Dollars gegen Lira, um deren Entwertung entgegenzuwirken (mehr hier).

Es gibt zwei Merkmale der oberflächlichen Modernisierung der Türkei: Eine zu große Nähe der großen Firmen zur Regierung und eine zu starke Fixierung der türkischen Wirtschaft auf Finanzprodukte bei gleichzeitiger Vernachlässigung der Realwirtschaft. Diese Schwächen könnten nach Ansicht des Economist den wirtschaftlichen Aufschwung der Türkei in ihr Gegenteil verkehren.

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