Deutschland: Anzahl der Asylanträge so hoch wie seit 14 Jahren nicht mehr

2013 baten 127.023 Flüchtlinge um Asyl in Deutschland. Dies stellt einen Anstieg um fast zwei Drittel dar. Dieser ist hauptsächlich auf die Steigerung von Antragsstellern klassischer Herkunftsländer rückführbar. Innenminister Thomas de Maizière mahnt angesichts dieser Zahlen zu einer humanitären Asylpolitik mit defensiven Akzenten.

Im vergangenen Jahr haben 127.023 Personen Asyl beantragt, 49.372 mehr als 2012. Dies bedeutet eine Steigerung zum Vorjahr von 64 Prozent. Die meisten Flüchtlinge kamen aus Serbien, Russland, Syrien, Mazedonien, Afghanistan, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Iran, Pakistan und Irak. Auch die Zahl der Flüchtlinge aus anderen Regionen erhöhte sich von 20.000 auf 40.000.

Besonders stark gestiegen ist der Zuzug aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens (37.000). Deren Anträge werden jedoch in der Regel abgelehnt. Dagegen wurden 2013 insgesamt 13,5 Prozent aller Antragssteller Asyl gewährt. Weiteren 11,4 Prozent (9.213 Personen) wurde „subsidiärer Schutz“, also Schutz vor Abschiebung, zuteil, vor allem Syrern.

Vermehrte Aufnahme syrischer Flüchtlinge

Wir brauchen schneller Klarheit darüber, wer tatsächlich schutzbedürftig ist und wer nicht, zumal nur knapp 14 Prozent der Anträge anerkannt wurden. Das dient dem Interesse der wirklich Schutzbedürftigen“, so Bundesinnenminister Thomas de Maizière auf der Homepage des Ministeriums. Asylrecht und Flüchtlingsschutz seien Teil von Deutschlands internationaler Verantwortung, sei jedoch „kein Instrument der Zuwanderungspolitik“.

Trotz der durch die gestiegenen Asylbewerberzahlen größer werdenden Herausforderungen wolle Deutschland seinen humanitären Pflichten auch zukünftig in vollem Maße nachkommen. So sei im Dezember 2013 entschieden worden, neben der derzeit laufenden Aufnahme von 5.000 Flüchtlingen weitere 5.000 besonders schutzbedürftige Syrer aus der Krisenregion in Deutschland aufzunehmen. Derzeit werde gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt und den Bundesländern ein Verfahren erarbeitet, um die Aufnahme der Flüchtlinge zu beschleunigen. „Ich werde zudem in der Europäischen Union dafür werben, dem deutschen Beispiel zu folgen und vermehrt syrischen Flüchtlingen Schutz durch Aufnahme zu gewähren“, so de Maizière weiter.

Pro Asyl:  Zahlen „ungenau und inakzeptabel“

Die Nichtregierungsorganisation Pro Asyl hat in einer Reaktion auf die neuen Zahlen diese als „ungenau und inakzeptabel“ bezeichnet. Demnach seien fast 20.000 weniger, nämlich 109.580 Asylerstanträge gestellt worden. Das sei eine Zahl, die überwiegend die Tatsache abbilde, dass sich in vielen Herkunftsstaaten von Asylsuchenden politische Verfolgung, Kriegs- und Bürgerkriegssituationen verstetigt hätten. Versäumt worden sei auch, die sogenannten formellen Entscheidungen (29.705) aus der Anerkennungsquote heraus zu rechnen.

Man müsse den Bürgerinnen und Bürgern erklären, dass die Flüchtlingszahlen in den nächsten Jahren vermutlich kontinuierlich hoch sein werden. Diese Tatsache dürfe aber nicht gegen das ausgespielt werden, was der Bundesinnenminister als „kluge Zuwanderung“ bezeichne.Die Zahl der unerledigten Verfahren liegt bei ca. 96.000. PRO ASYL fordert durch eine Aufstockung des Personals Asylverfahren zügig aber vor allem fair durchzuführen, sodass die Fluchtgründe ermittelt werden können und der Einzelfall gewürdigt wird.“

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