Tragödie um türkische Kinderbraut: 14-Jährige nach zweiter Geburt tot aufgefunden

In der südosttürkischen Provinz Siirt wurde ein 14-jähriges Mädchen tot in ihrem Haus aufgefunden. Der Teenager wies eine Schusswunde auf. Nur Tage zuvor hatte sie ihr zweites Kind zur Welt gebracht. Das Baby starb. Jetzt hat die Polizei den Fall übernommen.

In der türkischen Provinz Siirt hat sich am Wochenende ein Drama um ein junges Mädchen ereignet. Der erst 14-jährige Teenager wurde wenige Tage nach der Geburt ihres zweiten Babys tot und mit einer Schusswunde aufgefunden. Die Familie beharrt auf Selbstmord. Die Ermittlungen laufen.

Die Tote K.E. soll bei ihrer Verheiratung gerade einmal elf Jahre alt gewesen sein. In einer religiösen Zeremonie sei das Paar auf Entscheidung der Eltern vermählt worden. Bereits mit zwölf Jahren brachte sie dann ihr erstes Kind zur Welt. Nur wenig später wurde sie erneut schwanger.

Die 14-Jährige lebte mit der Familie ihres Mannes im Distrikt Pervari, so die türkische Hürriyet. Vor zwei Monaten wurde ihr Ehemann zum Wehrdienst eingezogen. Vor wenigen Tagen soll sie dann niedergekommen sein. Doch das Baby starb kurz nach der Geburt.

Familie beharrt auf Selbstmord

K.E. wurde am 10. Januar tot in ihrem Zimmer aufgefunden. Ihr Körper wies eine Schusswunde auf und wurde zur Autopsie ins Forensische Institut nach Diyarbakır verbracht. Die Staatsanwaltschaft von Pervari hat mittlerweile die Ermittlungen aufgenommen. Die Familienangehörigen des Ehemanns wurden bereits befragt. Sie behaupten, dass das Mädchen depressiv gewesen sei und das Zimmer seit dem Verlust ihres zweiten Kindes nicht mehr verlassen habe. Sie gaben an, dass der Teenager Selbstmord begangen habe. Während einige Medien ihr Alter mit erst 13 Jahren angibt, behauptet die Familie, dass das Mädchen bereits älter als 14 Jahre sei. Derzeit soll ein Gerichtsverfahren hierzu im Gange sein.

In der Türkei soll derzeit jede vierte Braut noch nicht volljährig sein. Nach Ansicht einer türkischen Frauenrechtsorganisation verschleiern Eltern das wahre Alter ihrer Kinder, um Hochzeiten zu ermöglichen. Auch das türkische Innenministerium bezeugt eine hohe Zahl verheirateter minderjähriger Mädchen. Eine Verbesserung der Situation durch den Gesetzgeber ist nicht in Sicht. Das gesetzliche Mindestalter für Frauen in der Türkei wurde letztmalig 2002 von 15 auf 18 angehoben. Die frühe Verheiratung wirkt sich negativ auf Alphabetisierung, berufliche Chancen und somit auf Selbstverwirklichung junger Frauen aus. Nach einem Bericht von nsnbc unter Verweis auf eine Studie der Universität Gaziantep liegt die Alphabetisierung minderjährig verheirateter Frauen bei gerade einmal 18 Prozent (mehr hier).

Zwangsverheiratung: Risiko für Mädchen und Babys

Bereits seit Ende 2012 herrscht innerhalb der türkischen Parteienlandschaft Konsens darüber, dass die neue Verfassung so ausgestaltet sein sollte, dass es künftig keine Kinderbräute mehr geben kann. Für die entsprechende Klausel gibt es seither folgenden Entwurf: „Der Staat wird Vorsorge treffen, um mit Gewalt geschlossene oder in zu frühen Jahren eingegangene Ehen von Mädchen zu verhindern.“ (mehr hier). In der Türkei wird eine Verbesserung der Situation nun wohl weiter auf sich warten lassen. Immer wieder wurde die Frist für eine neue türkische Verfassung verschoben. Mitte November 2013 haben die Parteien kapituliert. Der für ihre Ausgestaltung zuständige Ausschuss im Parlament wurde aufgelöst (mehr hier).

Anlässlich des ersten internationalen Weltmädchentag der Vereinten Nationen im Jahr 2012 wies auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon auf die immensen Risiken für die Mädchen und ihre Kinder hin. Eine Hochzeit im Kindesalter raube Mädchen Chancen. Sie schade ihrer Gesundheit und setze sie einem erhöhten Risiko aus, Opfer von Gewalt und Misshandlung zu werden. Oft komme es zu verfrühten und ungewollten Schwangerschaften, die wiederum ein tödliches Risiko darstellten. Wenn eine Mutter jünger als 18 Jahre alt sei, sei die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Neugeborenes innerhalb seines ersten Lebensjahres sterbe, 60 Mal so hoch wie bei einer Mutter, die älter als 19 Jahre alt sei.

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