Internet-Verwirrung: Türkischen Usern wird YouTube-Zugang teilweise verwehrt

Konfusion über den Zugang zum Internetriesen YouTube. Wer am Montagabend über TurkNet oder UyduNet auf das Videoportal zugreifen wurde, schaute sprichwörtlich in die Röhre. Nachdem zunächst von einem entsprechenden Gerichtsurteil die Rede war, scheint nun offenbar ein technischer Defekt dahinter zu stecken. Die Öffentlichkeit ist sensibilisiert. Erst in der vergangenen Woche wurde Vimeo mit einem 24-Stunden-Bann belegt.

Nur wenige Tage, nachdem die türkischen Internetuser kurzzeitig nicht auf das US-Videoportal Vimeo zugreifen konnten, traf es nun auch YouTube. User, die sich am Montagabend via TurkNet oder UyduNet einklicken wollten, blieb der Zugang verwehrt. Die genauen Hintergründe erscheinen allerdings unklar.

Bei dem Versuch, die YouTube-Seite aufzurufen, seien die Nutzer der betroffenen Internetdienste von folgender Nachricht überrascht worden: „Diese Website wurde durch eine Gerichtsentscheidung blockiert“, so die türkische Zeitung Zaman.

Nachdem die türkischen Medien zunächst von einem Gerichtsurteil ausgegangen waren, gibt es mittlerweile jedoch widersprüchliche Angaben. Nun heißt es, ein technischer Defekt habe dazu geführt, dass die User der betreffenden Internetanbieter keinen Zugang hatten. Auf Nachfrage wurde dem Nachrichtenportal medyaline.com erklärt, dass die übrigen türkischen Internetanbieter keine Kenntnis von einem entsprechenden Gerichtsurteil hätten.

Es ist nicht das erste Mal, dass YouTube für türkische User nicht zu erreichen ist. Bereits von März 2007 bis November 2010 war die Videoplattform in der Türkei gesperrt, da Richter in Istanbul, Ankara und Sivas entschieden hatten, dass einige dort aufrufbare Videos „das Türkentum“ und „Mustafa Kemal Atatürk beleidigen“. Beides stellt nach türkischem Recht eine Straftat dar. Umgangen  wurde das Verbot von findigen Usern mit Hilfe von Proxyservern. Das Verbot wurde im Oktober 2010 aufgehoben, allerdings bereits im November des selben Jahres kurzfristig wieder eingeführt.

Geplante Verschärfung der Internet-Gesetze

Erst am vergangenen Donnerstag hatte ein türkisches Gericht die Sperrung des US-amerikanischen Videodienstes Vimeo für die User in der Türkei beschlossen. Die Seite konnte bis zum späten Freitagabend nicht mehr aufgerufen werden. Türkische Medien spekulierten, dass der Entscheidung eine geplante Gesetzesverschärfung von Gesetz Nr. 5651, die der Regierung weitestgehende Kontrolle über das Netz einräumen würde, zugrunde gelegen habe (mehr hier).

Der Text sieht für Netzanbieter eine Zwangsmitgliedschaft in einer Internet-Union vor, die unter die Kontrolle der Regierung gestellt wird. Somit bekommt die Regierung Erdoğan die Macht, Seiten ohne vorherigen Gerichtsbeschluss zu sperren, das Nutzerverhalten zu beobachten und für einen Zeitraum von zwei Jahren zu dokumentieren (mehr hier).

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