Jagd auf Frauen geht weiter: Saudische Religionspolizei untersagt jetzt das Schaukeln

Das harmlose Sitzen auf einer Schaukel hat in Saudi Arabien nun die Religionspolizei auf den Plan gerufen. Diese hatte eine Gruppe von Frauen in einem öffentlichen Park dabei erwischt. Kritiker sehen darin einen neuerlichen Beweis für die rigorose Unterdrückung der Frau.

Das ultrakonservative Königreich Saudi Arabien sorgt erneut mit einem Hieb gegen seine weibliche Bevölkerung für Aufsehen. Neuerdings befindet die islamische Religionspolizei offenbar selbst das harmlose Schaukeln als anstößig. Ein entsprechendes Foto geht derzeit durch die Sozialen Medien.

Das Bild zeigt zwei Mitarbeiter der „Behörde zur Förderung der Tugend und Bekämpfung des Lasters“, die sich einer Gruppe von Frauen in einem öffentlichen Park in Saudi-Arabien nähern. Die Damen sollen von ihnen aufgefordert worden sein, das Schaukeln zu unterlassen, berichtet das Nachrichtenportal riyadhconnect.com. Ob ihr Handeln Konsequenzen hatte, ist nicht bekannt.

Die Szene soll in der Öffentlichkeit gemischte Reaktionen hervorgerufen haben. Während Kritiker die Aktion für einen völlig unnötigen Eingriff und einen weiteren Beweis für die Unterdrückung der Frauen im Land betrachteten, befand die Gegenseite den Eingriff der Religionspolizei als völlig richtig. Ihr Argument: Die schaukelnden Frauen könnten Angriffe von Männern geradezu provozieren.

Erst im Herbst vergangenen Jahres geriet das Königreich wegen einer neuerlichen Protestaktion junger Frauen in die Schlagzeilen. Diese hatten im Internet zu einer Auflehnung gegen das bestehende Fahrverbot aufgerufen. Auch diesmal übten die Behörden derart Druck aus, dass sich am Ende nur wenige Frauen dazu entschließen konnten. Bereits in der Vergangenheit landeten Frauen für ein solches Vergehen in Haft oder wurden ausgepeitscht (mehr hier).

Saudi-Arabiens Großmufti Abd al-Aziz bin Abdullah Al asch-Schaich zerschlug dann Ende November 2013 sämtliche zarten Hoffnungen, dass Saudi-Arabien doch noch das Fahrverbot für Frauen aufheben könnte. Abd al-Aziz bin Abdullah Al asch-Schaich vertritt die Ansicht, ein Fahrverbot für Frauen würde die Gesellschaft vor dem „Bösen“ schützen. Das Königreich ist das einzige Land der Welt, in dem ein solches Verbot gilt. Auf einer gesetzlichen Grundlage fußt es allerdings nicht (mehr hier).

Für einen Aufschrei sorgte unterdessen bereits im Februar des vergangenen Jahres ein saudischer Kleriker, der tatsächlich eine Burka für Babys einforderte. Sheikh Abdullah Daoud war hanebüchen: Die vollständige Verschleierung der Säuglinge – natürlich inklusive des Gesichts – sei notwendig, um die kleinen Mädchen vor sexueller Belästigung zu schützen (mehr hier).

Insgesamt ist die Situation der Frauen in Saudi Arabien trotz einiger neuerlicher Zugeständnisse durch König Abdallah prekär. Zivilrechtlich gelten saudische Staatsangehörige als nicht voll geschäftsfähig. Ohne das Einverständnis des männlichen Vormund geht nichts. Eine strikte Befolgung der Kleiderordnung bzw. der Umgangsregeln wird unbedingt erwartet. In den Restaurants herrscht strikte Geschlechtertrennung.

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