Likeminds 2014: Deutsch-türkischer Austausch rückt soziale Bewegungen in den Fokus

Bereits zum vierten Mal sind deutsche und türkische Nachwuchsführungskräfte aufgerufen, sich für das binationale Begegnungsprogramms „likeminds: german-turkish junior expert initiative“ zu bewerben. Je zehn Teilnehmer aus Deutschland und der Türkei werden ausgewählt, um an einem themenorientierten Austausch teilzunehmen. Dr. Andrea Despot, stellvertretende Leiterin der Europäischen Akademie Berlin, erklärt, welche Erfolge das Programm bereits erzielen konnte und warum der Bedarf junger Entscheidungsträger gerade jetzt ins Gespräch zu kommen, besonders hoch ist.

Deutsch Türkische Nachrichten:  Je zehn Teilnehmer aus Deutschland und der Türkei werden ausgewählt, um an dem Programm teilzunehmen. Welche Kriterien werden hier angelegt und warum?

Andrea Despot: likeminds spricht Menschen im Alter zwischen 27-35 Jahren an, die nach ihrem Studium bereits 3-5 Berufserfahrung sammeln konnten, die sich außerdem zivilgesellschaftlich oder ehrenamtlich engagieren und Interesse an dieser binationalen Begegnung haben. Die Teilnehmer werden aus allen Tätigkeitsfeldern ausgewählt. Auf diesen Gebieten sind die Teilnehmer erkennbar Juniorexperten, angehende Führungskräfte oder „high potentials“.

Die Initiative aktiviert junge Entscheidungsträger, die diesen Dialog mit den likeminds des Partnerlandes in ihre Arbeits- und Lebenszusammenhänge einspeisen – und umgekehrt: auch ihre persönlichen und beruflichen Erfahrungen in das Programm einbringen wollen.

Deutsch Türkische Nachrichten: Welche Rückmeldungen gibt es insbesondere von den bisherigen türkischen Teilnehmern und welche Bereiche waren besonders stark vertreten?

Andrea Despot: Die Resonanz ist sehr gut. Von den bisherigen türkischen Teilnehmern hören wir immer wieder, dass sie sich wünschen, solche Formate mögen sogar noch weiter ausgebaut werden. Zu wissen, dass es eine Plattform und Gelegenheit gibt, mit Deutschen ins Gespräch zu kommen, finden sie spannend. Es handelt sich ja immer um Themen, die am Puls der Zeit sind und beide Länder gleichermaßen beschäftigen.

Bei den Teilnehmern bevorzugen wir keinen einzelnen Bereich. Es ist den Programminitiatoren wichtig, dass es einen Mix aus allen Tätigkeitsfeldern gibt. So haben wir in den vergangenen Jahren Bewerberinnen und Bewerber ausgewählt, die aus dem Bereich der Medien, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Kultur kommen.

Wie kann zeitgemäße (politische) Bürgerbeteiligung aussehen

Deutsch Türkische Nachrichten: Das Thema für das Programm 2014 lautet „Getting involved: Social Movements and Participation“. Warum wurde sich von den Initiatoren genau dafür entschieden?

Andrea Despot: Heute – und nicht zuletzt die Ereignisse rund um den Istanbuler Gezi-Park haben das sehr deutlich gemacht – spielen neue Beteiligungsformen und Partizipationsmöglichkeiten von Bürgern im Gemeinwesen eine immer wichtigere Rolle. Wahlen im 4-5-Jahrestakt bilden die komplexe Realität und die vielschichtigen Interessen der Menschen längst nicht mehr ab.

Gleichzeitig haben sich neue Möglichkeiten aufgetan, Bewegungen zu begründen und Menschen zu mobilisieren, die sich dann an staatlichen Entscheidungs(findungs)prozessen beteiligen oder selbst zu politischen Kräften werden.
Bei dem diesjährigen Thema ging es uns deshalb darum, soziale Bewegungen in den Blick zu nehmen, die staatliches Handeln informieren und gelegentlich auch herausfordern. Wir wollen diskutieren, wie zeitgemäße (politische) Bürgerbeteiligung aussehen kann – ganz praktisch, anschaulich und konkret.

Deutsch Türkische Nachrichten: Das Jahr 2014 steht ganz im Zeichen der deutsch-türkischen Kooperation. Aufgrund der wachsenden Wirtschaft und der Erfolge in Wissenschaft und Forschung wird die Türkei auch für hier aufgewachsene junge Leute immer attraktiver. Wie sind Ihre Beobachtungen zum Thema?

Andrea Despot: Ganz genau! Die Türkei ist für viele junge Menschen attraktiv, die unternehmerisch tätig sein oder an dem beachtlichen Wirtschaftsaufschwung des Landes teilhaben wollen. Aber dies betrifft nicht nur diejenigen, die hier aufgewachsen sind. Viele Studenten aus ganz Europa zieht es beispielsweise nach Istanbul; Wissenschaftlerinnen, Kulturschaffende und Reiselustige finden ein dynamisches und reizvolles Land vor.

Das Bild der Türkei hat sich in Deutschland in den letzten Jahren doch deutlich gewandelt – dies lässt sich auch an dem regen Interesse festmachen, das wir hierzulande nicht nur den wirtschaftlichen, sondern auch den gesellschaftlichen Entwicklungen in der Türkei entgegen bringen.

Das Programm geht auf die Initiative der Robert Bosch Stiftung zurück und wird von der Europäischen Akademie Berlin in Zusammenarbeit mit dem Istanbul Policy Center (IPC) der Sabanci Universität durchgeführt.

Bewerbungsschluss ist der 9. Februar 2014. Anmeldeformular und weitere Informationen finden sich unter www.eab-berlin.eu.

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