Attacke auf „Lady in Red“: Türkischem Polizist drohen drei Jahre Gefängnis

Das Bild einer jungen türkischen Demonstrantin im roten Kleid ging im Sommer 2013 um die Welt. Jetzt wird der Polizist, der sie damals mit Tränengas attackiert hat, zur Rechenschaft gezogen. Dem Beamten drohen drei Jahre Haft.

Das Foto des Reuters-Journalisten Osman Orsal steht wie kaum ein anderes für die Gezi Park-Proteste des vergangenen Sommers. Zu sehen ist eine junge Frau in einem auffallend roten Kleid, die das Tränengas eines Polizisten direkt ins Gesicht bekommt. Ein türkischer Staatsanwalt will diese Szenerie nun scharf ahnden und den Polizeibeamten drei Jahre hinter Gitter bringen.

Gefordert wurde die rigorose Strafe vom Istanbuler Staatsanwalt  Adnan Çimen. Der 23-jährige Polizist habe am 28. Mai 2013 im Gezi Park Tränengas gegen eine Gruppe friedlicher Demonstranten eingesetzt. Nach Ansicht von Çimen habe er damit seine Autorität als Beamter missbraucht. Neben der Verbüßung einer Haftstrafe sollte er nach Willen der Staatsanwaltschaft auch seinen Posten verlieren, so die Nachrichtenagentur Doğan.

Ceyda Sungur wurde ohne Vorwarnung attackiert

Laut der Anklageschrift, die am 9. Januar vom Gericht angenommen wurde, hatte der jungen Mann ohne Vorwarnung Tränengas auf eine Gruppe von Demonstranten gesprüht. Unter ihnen befand sich auch Ceyda Sungur, die weltweit mittlerweile als „Frau in Rot“ bekannt ist.

Der Beamte habe die Vorschriften über Maßnahmen der Polizei während Massenzwischenfällen und die Verordnung über den Einsatz von Tränengas verletzt, so die Anklageschrift. Der Staatsanwaltschaft zufolge habe der Polizist einen Abstand von weniger als einem Meter zur jungen Frau gehabt. Ohne Vorwarnung habe er ihr ins Gesicht gesprüht. Selbst als sie ihr Gesicht schützend zur Seite drehte, habe er nicht aufgehört. Vor und nach dem Zwischenfall sei sie in keine gewalttätige Auseinandersetzung verwickelt gewesen. Auch seine Kollegen hätten in dieser Situation so verfahren, heißt es weiter.

Nur wenige Wochen nach den ersten Ausschreitungen wurden bereits Stimmen aus den Reihen der Polizei laut. Es zeigte sich: Auch türkische Polizisten waren offenbar unzufrieden mit den Ausschreitungen. Einer von ihnen übte Mitte Juli scharfe Kritik an der Polizei. Fehlentscheidungen des Gouverneurs und der Polizei-Chefs sollen erst zu Gewalt und Zerstörung geführt haben. Die Gezi-Park Aktivisten seien unschuldig (mehr hier).

Regierung hat harte Strafen angekündigt

Bereits Anfang Juni wurde bekannt, dass sich türkische Polizisten, die bei den Massenprotesten in Istanbul und in anderen Großstädten des Landes „missbräuchlich“ Tränengasbomben oder „unverhältnismäßig“ vorgegangen sein sollen, auf Disziplinarverfahren gefasst machen müssen. Das ging aus einer Mitteilung des türkischen Innenministeriums hervor. Zuvor hatte Premier Erdoğan „harte Strafen“ für Polizisten angekündigt, die unverhältnismäßig vorgegangen sein sollen. Auch Staatspräsident Abdullah Gül räumte ein, dass die Polizei völlig überzogen auf den Protest reagiert habe (mehr hier). Nichtsdestotrotz gingen die Einsätze gegen Studenten im Herbst und Winter weiter (mehr hier).

Mehr zum Thema:

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