Erinnerung an Hrant Dink: Tausende demonstrieren in Istanbul

Zahlreiche Menschen haben in Istanbul an die Ermordung des türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink gedacht. Dink setzte sich für einen Dialog zwischen Armeniern und Türken ein. Insbesondere die Völkermord-Frage belastet das Verhältnis.

In Istanbul haben Tausende Menschen im Rahmen einer Kundgebung an die Ermordung des türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink erinnert.

Dink wurde vor sieben Jahren von einem rechtsradikalen Jugendlichen auf offener Straße erschossen. Der minderjährige Attentäter stammt von der türkischen Schwarzmeerküste. Deshalb wollten Fans des türkischen Fußballvereins Trabzonspor ein Zeichen der Solidarität für die Familie des Ermordeten setzen. Sie nahmen an der Kundgebung teil und hielten Plakate mit der Aufschrift „Wir haben nicht vergessen“ in den Händen, berichtet die Zeitung Bugün.

Hrant Dink setzte sich zeit seines Lebens für die Verständigung von Armeniern und Türken ein. „Der Arzt der Armenier sind die Türken und der Arzt der Türken sind die Armenier“, zitiert Milliyet Hrant Dink. Beide Völker könnten nur zueinander finden, wenn sie den direkten Dialog suchen. Andere Staaten und Völker sollten sich aus diesem Verhältnis heraushalten. Kritik übte er auch an den Fanatikern auf beiden Seiten. „Die Fanatiker beider Seiten sind aufeinander angewiesen. Sie befruchten sich gegenseitig“, zitiert ihn die Milliyet weiter.

Völkermord-Vorwurf gegen die Türkei

Die Völkermord-Frage zwischen Armeniern und Türken belastet die bilateralen Beziehungen. In den vergangenen Jahren haben weltweit eine Reihe von Parlamenten, Anträge zum Armenischen Genozid verabschiedet. Die Türkei reagierte immer mit Wut. Diese Reaktion führte dazu, dass das Thema ungewollt populärer wurde.

Die Thematik des „Armenischer Genozids“ von 1915 ist unter Historikern nicht unstrittig. So sind beispielsweise Bernard Lewis, Guenter Lewy und Justin McCarthy der Ansicht, dass es keinen Genozid im Wortsinn an den Armeniern gegeben habe. Denn es gebe kein einziges Dokument, welches zeige, dass die osmanische Regierung einen Genozid beabsichtigte. Der türkische Historiker Taner Akçam meint, dass gerade das Fehlen eines Dokuments für einen Genozid spreche (mehr hier).

Urteil des Menschengerichtshofs

Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof (EGMR) urteilte im Dezember, dass Bürger das Recht haben, die Deportationen der Armenier der Südost-Türkei im Jahr 1915 nicht als Völkermord zu umschreiben. Zuvor hatte die Vereinigung Schweiz-Armenien Strafanzeige gegen den türkischen Politiker Doğu Perinçek gestellt. Der hatte in der Schweiz gesagt, dass es keinen Völkermord an den Armeniern gegeben habe. Doch die Deportationen nach Syrien und Überfälle mit anschließenden Massakern an Armeniern bestritt Perinçek nicht.

Für die rechtliche Anerkennung eines Völkermords ist die Absicht entscheidend. Es muss die Absicht vorhanden sein, eine nationale, ethnische, religiöse oder rassische Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören.

Bernard Lewis Ausführungen

Der Historiker Bernard Lewis sagt, dass es eine derartige Absicht nicht gegeben habe, berichtet stanford.edu. Auch ein Vergleich mit dem Holocaust an den Juden sei falsch. Die Deportationen der Armenier erfolgten nachdem sich die Armenier des Südostens den russischen Truppen angeschlossen hatten. Zuvor marschierten die Russen in Ostanatolien ein.

Doch schon vor dem Einmarsch gab es bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen der Nationalen Armenischen Freiheits-Bewegung und osmanischen Truppen, sagte Lewis 2002 auf dem US-Kanal C-Span. Die Bewegung lieferte sich einen Guerilla-Krieg mit der Türkei und wollte im Südosten der Türkei einen unabhängigen armenischen Staat gründen, schreibt Mikaberidze, Alexander (Conflict and Conquest in the Islamic World: A Historical Encyclopedia, Volume 1. Santa Barbara, S. 318).

Mikaberidze schreibt weiter, dass die armenischen Legionen Unterstützung aus Frankreich erhielten. So ließ Paris die französisch-armenische Legion gründen.

Die Truppen des Zarenreichs marschierten am 6. Mai 1915 in Van ein. Am 27. Mai wurde das Deportations-Gesetz beschlossen.

Bernard Lewis:

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