Erdoğan rückt von regionalem Machtanspruch ab

Auf seiner Reise durch Südost-Asien spricht Premier Erdoğan plötzlich davon, die Türkei verfolge keine Ansprüche, eine Großmacht zu werden. Doch das steht im Widerspruch zu Äußerungen der vergangenen Jahren.

Während seiner Besuche in Japan, Singapur und Malaysia verkündete der türkische Premierminister Erdoğan, die Türkei „habe keine Ambitionen, eine regionale zu werden“. Stattdessen müsse sein Land tun, was es tun müsse, da der Türkei ein Platz in der Region und in der internationalen Gemeinschaft gegeben sei.

„Alles was darüber hinausginge wäre Gier und Übereifer, und die wäre in jedem Fall gefährlich. Wir haben diese Gier nicht“, so zitiert Der Journalist der Zeitung Milliyet, Sami Kohen, den türkischen Premierminister.

Timeturk zitiert Erdoğan weiter:

„Unsere Freunde und ganz im Besonderen unsere Nachbarn sollten unserer Freundschaft gewiss sein bis zum Ende. Dennoch können wir mitmenschliche und gewissenhafte Gefühle – und erst recht unsere Außenpolitik – nicht durch physische Grenzen einsperren.“

Dieses Bekenntnis würde einen Sinneswandel Erdoğans darstellen. Denn in den vergangenen Jahren hatte er immer wieder den regionalen Machtanspruch der Türkei hervorgehoben.

Beobachter interpretieren den plötzlichen verbalen Rückbau Erdoğans unterschiedlich. Ein möglicher Erklärungsansatz, den die Financial Times vorstellen, sind die verschlechterten Beziehungen zu den USA:

„Die Beziehungen zu den USA sind beschädigt worden durch die Andeutungen der Regierung, dass Amerika die gegenwärtigen Korruptionsermittlungen orchestriert habe. Der Preis, den die Türkei für ihren Autoritären Führungsstil zahlt, ist immens. Erdoğan zeigt der Welt, dass die Türkei ein Land ist mit einer wankenden Demokratie, einer fehlerbehafteten Verfassung und einer schwindenden Zahl von Verbündeten.“

Der Economist stellt einen Ansatz vor, der die Beziehung von näher liegenden Staaten zum Gegenstand hat:

„Als vor drei Jahren in Nahost der Arabische Frühling ausbrach, neigten hoffnungsfrohe Demokraten bei ihrer Suche nach einem Modell der Türkei zu, ein Land, dass moderaten Islam mit Wohlstand und Demokratie verband. Aber leider sind die Araber nicht dem türkischen Pfad gefolgt. Stattdessen ist die Türkei auf die alte arabische Straße der Korruption und der Autokratie zurückgefallen.“

Ähnlich versöhnlich zeigte sich Erdoğan auch innenpolitisch: Nach einer Meldung des Worldbulletin betonte der türkische Premier nachdrücklich, die türkische Regierung verfolge keinen „Geheimplan“. „Die Türkei ist ein Staat, der nach Prinzipien handelt, nicht nach geheimen Absichten oder Plänen“, so der türkische Premier.

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