Bayern ist auf Wanderarbeiter aus Osteuropa angewiesen

In der bayrischen Bevölkerung wird der Zuzug von rumänischen und bulgarischen Wanderarbeitern unterschiedlich wahrgenommen. Während die lokale Bauindustrie sich von der Debatte irritiert zeigt, beklagen Gewerkschaften die Ausbeutung der neuen Arbeitskräfte.

Die Stimmungsmache der CSU-Spitze gegen Einwanderer aus Osteuropa steht in der Kritik.

Denn schließlich sind es vor allem bayerische Unternehmen, die umgekehrt in Rumänien Riesengewinne erwirtschaften. Etwa 1.400 bayerische Firmen sind in Rumänien tätig, berichtet der WDR.

Jörg Prohaska, der Vorsitzende des Deutschen Wirtschaftsclubs im rumänischen Siebenbürgen, sagt dem WDR:

„Der Mindestlohn liegt hier gesetzlich bei unter 200,- Euro, also rund 180,- Euro im Monat. Wenn man bedenkt, dass hier viele Unternehmen über 1000 Mitarbeiter beschäftigen und in Deutschland solche Arbeitsplätze meist mit dem 10-fachen mehr bezahlt werden, ist das hier also für die Unternehmen schon sehr vorteilhaft, zu diesen Konditionen zu produzieren.“

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass sich nicht nur die Verlagerung von Arbeitsplätzen von Deutschland nach Rumänien, sondern auch die Wanderung von Rumänen nach Deutschland „lohnt“. Für die Unternehmen in Bayern hat dies noch den Vorteil, dass sich der Umzug erübrigt. Es erfolge eine regelrechte Ausbeutung der eingewanderten Rumänen:

„Immer wieder werden sie nach Deutschland geschickt, jeweils für mehrere Monate, gern kaschiert als Ausbildungszeit. Aber auch dann erhalten sie nur den rumänischen Lohn, viel weniger als ihre deutschen Kollegen. Zusätzlich bekommen sie noch Spesen. Die aber zählen nicht zum Lohn und so spart sich das Unternehmen die Sozialabgaben. Seit Jahren deckt der gebürtige Rumäne und Gewerkschafter Mihail Balan solche Arbeitsverhältnisse auf.“

Es gibt auch CSU-Politiker, denen die negative Debatte über rumänische und bulgarische Einwanderer stört. „Mir gefällt halt diese Debatte absolut nicht, muss ich ganz ehrlich sagen, weil ich glaube, dass einfach dran vorbeigeht“, zitiert der WDR Joseph Erl, Bauunternehmer und CSU-Vize-Landrat. Offenbar ist auch Erl einer der Profiteure der billigen Arbeitskräfte aus Osteuropa.

Die Zahl der Wanderarbeiter in München hat sich nach Angaben des BR von 2012 bis 2013 verdreifacht. Offiziell sind es 20.000. Inoffiziell wahrscheinlich sehr viele mehr.

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