Türkei in der Krise: Türkische Lira erreicht neues Tief gegenüber dem Euro

Die Türkische Lira ist am Mittwoch auf ein weiteres Rekordtief gegenüber dem Euro gesunken. Erst tags zuvor hatte sich die türkische Zentralbank dazu entschlossen, den Leitzins nicht zu erhöhen, um die Währung zu stützen. Nun hat die Zentralbank direkt eingegriffen, um den freien Fall der Währung zu bremsen.

Die Türkische Lira hat seit Beginn der politischen Krise im vergangenen Dezember bereits zehn Prozent ihres Wertes einbüßen müssen. Am Mittwoch wurde die Währung mit 3.0652 gegenüber dem Euro gehandelt. Nun hat sich die türkische Zentralbank direkt eingemischt und versucht den Fall mit Devisenverkäufen zu bremsen.

Zum Handelsschluss am Dienstag lag der Wert noch bei  3.0583 gegenüber dem Euro. Nicht viel rosiger sah es gegenüber dem Dollar aus. Am Mittwoch notierte die Lira mit 2.2602 gegenüber der US-Währung, am Tag zuvor bei  2.2575 und damit immer noch über dem Tief von 2.2659. Etwas optimistischer präsentierte sich der Aktienmarkt zur Wochenmitte. So kletterte der Leitindex der Istanbuler Börse um 1,02 Prozent auf 66,992.81 Punkte nach oben.

Analysten befürchten derzeit jedoch ein weiteres Nachgeben der Währung, so die türkische Zeitung Hürriyet. Unter Druck stehe diese nicht nur wegen des aktuellen Korruptionsskandals, sondern auch aufgrund der Verschärfung der US-Notenbank Politik. Nach Ansicht der in Istanbul anässigen Finansbank sei die Entscheidung der FED „Rauch und Spiegel“-Politik, die die Märkte verwirrt hätte.

Die US-Notenbank (FED) hatte sich kurz vor Weihnachten nach einer zweitägigen Sitzung des Federal Open Market Comittee (FOMC) entschieden, bereits ab Januar ihre milliardenschweren Konjunkturhilfen zu drosseln. Das Ankaufprogramm für Staatsanleihen und Immobilienpapiere werde zunächst um zehn Milliarden auf 75 Milliarden Dollar pro Monat verkleinert. Den Leitzins belässt die Fed bei null bis 0,25 Prozent. „Die Mehrzahl der Marktteilnehmer wurde von dieser Entwicklung überrascht. Man war davon ausgegangen, dass die Fed erst unter der neuen Vorsitzenden Yellen die Anleihekäufe reduzieren würde“, so Wallstreet Online.

Am Dienstag wurde bekannt, dass die türkische Notenbank in der Türkei das Zinsniveau unverändert gelassen hat. Stattdessen wurde ein außerordentlicher Refinanzierungsatz für Banken eingeführt, der nur an bestimmten Tagen zum Einsatz kommen solle, so das Wall Street Journal. Damit wolle die türkische Zentralbank dem zunehmenden Inflationsdruck entgegenwirken, der aus der abwertenden Lira und Steuererhöhungen resultiere. Die Türkische Lira reagierte darauf hin mit dem Absturz auf ein Rekordtief von 2,2683 gegenüber dem Dollar. Auch zum Euro wertete sie auf ein neues Allzeittief von 3,0678 ab.

Am Donnerstag hat die türkische Zentralbank nun zum ersten Mal seit zwei Jahren direkt am Devisenmarkt eingegriffen, um den freien Fall der türkischen Lira zu bremsen, berichtet n-tv. Die Währungshüter in Ankara haben demzufolge mit dem Verkauf von US-Dollar begonnen, als die Lira ein neues Rekordtief von 2,2973 gegenüber dem Dollar und ein Allzeittief von 3,1342 gegenüber dem Euro erreicht hätte. Darauf hin habe sich die Lira etwas erholt, konnte aber nicht den gesamten Tagesverlust wettmachen.

Mehr zum Thema:

Korruptionsskandal: Türkische Märkte werden zum Verlierer des Jahres
Korruptionsskandal: Festnahmewelle erschüttert türkische Märkte
Korruptionsskandal in der Türkei: Deutsche Unternehmen sagen erstmal Stopp

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.