Österreich: Religions-Streit zwischen Staat und Muslimen entbrannt

2015 soll islamische Theologie an der Universität Wien eingeführt werden. Ziel ist die verstärkte Integration von muslimischen Geistlichen. Doch eine umfassende theologische Einigung mit den islamischen Gemeinschaften steht auf wackeligen Beinen.

Nächstes Jahr will die Österreichische Bundesregierung der Forderung der Muslime in Österreich nachkommen, an der Uni Wien einen Bachelor-Studiengang für Islamische Theologie einzurichten. Das Studium dient der Ausbildung von Imamen und Seelsorgern. Das Ziel wurde im Dialogforum Islam von 2012 formuliert.

Die Etablierung des Studiengangs ist auch Gegenstand des Koalitionsvertrages zwischen SPÖ und ÖVP. Laut Koalitionsvertrag will die Österreichische Bundesregierung die Integration von islamischen Theologen vorantreiben:

„Um auch Imame und islamische Theologen besser in den sprachlichen und gesellschaftlichen Kontext Österreichs einzubetten, sollen diese langfristig in Österreich werden. Das derzeit im Entstehen befindliche islamisch-theologische Bachelorstudium muss daher weiter unterstützt werden.“ (S.29)

Für dieses Ziel soll „vertieftes Wissen und Verständnis für aktuelle Fragestellungen islamischer Glaubenspraxis im Hinblick auf die ,Kontextualisierung‘ des Islam in Europa“ vermittelt werden, zitiert religion.orf.at den Religionspädagogen Ednan Aslan. Dazu sollen auch die Berührungspunkte mit anderen Studiengängen wie Orientalistik und Islamische Religionspädagogik genutzt werden.

Offen bleibt weiterhin die Frage der Finanzierung. Vizerektor Heinz Faßmann wünscht sich für den Studiengang zusätzliche Bereitstellung von Steuergeldern. Die Politik habe schließlich das Anliegen ursprünglich an die Universität herangetragen. Das Wissenschaftsministerium behauptet jedoch, noch keine Anfragen nach finanzieller Hilfe entgegengenommen zu haben.

Eine weitere wichtige Frage besteht bezüglich der Einbindung der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGIÖ). Es ist ungeklärt, ob sie über ein Veto-Recht bei der Benennung von Lehrpersonal verfügen soll. Wenn ja, droht eine Problematik ähnlich dem Fall Khorchide in Münster (mehr hier). Aslan jedoch plädiert für das „Protestantische Modell“: Bei diesem hat die Kirche nur Beratungs-, nicht aber Vetorecht.

Dem widerspricht der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Fuat Sanac. Seiner Meinung nach dürften nur islamische Theologen ausgebildet werden, die von der muslimischen Gemeinschaft akzeptiert sein. Deshalb müsse die Glaubensgemeinschaft das Recht haben, sich in Lehrfragen einzumischen.

Obwohl Finanz- und Entscheidungsstruktur-Fragen noch unklar sind, wollen alle Beteiligten am Zeitplan festhalten und der Lehrgang 2015 starten.

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