Deutsche Muslime fordern eigene Seelsorger in der Bundeswehr

Der Zentralrat der Muslime spricht sich für eine Öffnung der Bundeswehr für islamische Geistliche aus. Der Chef des Zentralrats begründet dies mit geschätzten 1600 muslimischen Soldaten in der Bundeswehr. Der Rat zeigt sich außerdem zuversichtlich hinsichtlich eines Neustarts der Islamkonferenz.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime (ZDM), Aiman Mazyek, plädiert für mehr muslimische Geistliche in der Bundeswehr. Er schätzt die Zahl der muslimischen Soldaten auf etwa 1600. Seelsorger sind nach Mazyeks Ansicht zum Ausüben des Glaubens muslimischer Soldaten notwendig.

„Wir brauchen muslimische Seelsorger in der Bundeswehr“,  zitiert die Huffington Post Mazyek. Der Vorstoß Mazyeks ist eine Reaktion auf die Einladung Bundesinnenministers Thomas de Maizières, in der nächsten Woche über die Zukunft der Islamkonferenz zu sprechen (mehr hier). „Ein Neustart ist möglich, wenn Inhalt und Form gemeinschaftlich abgestimmt werden“, zitiert das Wochenblatt Mazyek.

De Maizière hat bereits betont, eine reine Weiterführung der Islamkonferenz werde es nicht geben. In Ablauf und Thematik hatte der Innenminister Veränderungen angekündigt.

Die Bundeswehr stellt für junge Deutsch-Türken ein beliebtes Karrieresprungbrett dar. Bisher hatten Muslime keinerlei Probleme bei der Ausübung ihres Glaubens, mit Ausnahme des Kopftuch-Verbots (mehr hier und hier).

Neu ist die Debatte über die Einführung einer muslimischen Seelsorge bei der Bundeswehr nicht. Bereits im Juli 2011 befürwortete der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime die Einführung von Militärimamen bei der Bundeswehr. Schließlich seien die muslimischen Soldaten ebenfalls in gefährlichen Einsätzen unterwegs, etwa in Afghanistan. Früher oder später werde es auch bei ihnen Bedarf für Seelsorger geben, so Mazyek damals. Darauf sollte man vorbereitet sein. Ganz zu schweigen von der „hohen integrativen Bedeutung“. Wichtig sei die Installation von Imamen auch für die Vorgesetzten, so Erol Pürlü, Dialogbeauftragter des Verbandes der Islamischen Kulturzentren, während der Debatte 2011. Diese könnten sich dann auch an den Imam wenden, wenn es Ärger um religiöse Fragen gebe.

Die Bundeswehr vertrat zu diesem Zeitpunkt allerdings die Auffassung, dass die Zahl der muslimischen Soldaten noch zu gering sei, um eine spezielle Militärseelsorge zu unterhalten.  Da die Religionszugehörigkeit von Bundeswehrsoldaten nicht zwingend angegeben werden muss, gibt es ohnehin keine exakten Zahlen. Ein weiteres Problem sei zudem der fehlende Ansprechpartner. Entsprechende Staatsverträge wie sie mit der evangelischen und katholischen Kirche existieren, gibt es nicht.

Mehr zum Thema:

Migranten bei der Bundeswehr: Karrieresprungbrett in Uniform – wenn auch mit Haken
Türkei: Flaggenkrise und Handgreiflichkeiten beim Patriot-Einsatz der Bundeswehr
Migranten bei der Bundeswehr: Alles ist möglich – außer dem Kopftuch

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.