Korruptionsskandal: Erdoğans Sohn will sich den Untersuchungen stellen

Bereits im Dezember gab es Gerüchte, wonach auch der Sohn des türkischen Premier Minister Recep Tayyip Erdoğan in den Korruptionsskandal verstrickt sein könnte. Dieser geht jetzt in die Offensive. Wenn es nötig sei, könne ihn die Staatsanwaltschaft jederzeit zur Vernehmung vorladen. Getan habe sie das allerdings noch nicht.

Bilal Erdoğan will sich vor den türkischen Ermittlungsbehörden nun offenbar völlig offen präsentieren. Der 34-Jährige Leiter der Jugend- und Bildungsstiftung (TÜRGEV) geriet im Zuge des seit Mitte Dezember andauernden Korruptionsskandals bereits mehrmals in die Schlagzeilen. Jetzt unterstrich er nachdrücklich, dass er jederzeit zum Büro des Istanbuler Generalstaatsanwalt gehen könnte, wenn es denn eine offizielle Aufforderung zur Vernehmung gebe.

Am Donnerstag hatte Erdoğans Anwalt vor der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu sämtliche Vorwürfe der vergangenen Zeit zurückgewiesen und diese als unbegründet und politisch motiviert bezeichnet. Ahmet Özel zufolge gebe es derzeit keine laufenden Ermittlungen gegen Bilal Erdoğan. Das berichtet die türkische Zeitung Zaman.

Zuvor war Bilal Erdoğan ins öffentliche Interesse gerückt, nachdem vermeintlich düstere Geschäfte mit bekannten Geschäftsleuten wie dem Bau-Tycoon Ali Ağaoğlu bekannt wurden. Dieser gehört zu den Hauptverdächtigen im Korruptionsskandal (mehr hier).

Nur knapp war Bilal Erdoğan bereits im Dezember einer Verhaftung entgangen. Verhindert werden konnte das nur durch das Eingreifen seines Vaters. Recep Tayyip Erdoğan erklärte vor Vertretern seiner Partei: „Sie wollen meinen Sohn, aber sie meinen mich!“ (mehr hier). Angeordnet wurden die Razzien und Festnahmen damals von Staatsanwalt Muammer Akkaş. Dieser musste kurz darauf seinen Posten räumen. Zuvor erhob er schwere Anschuldigungen gegen die Regierung Erdoğan. Er sei in seinen Ermittlungen behindert worden. So hätten die Verdächtigen genügend Zeit gehabt, Beweismaterial verschwinden zu lassen (mehr hier).

Mit dem Abzug Akkaş‘ entging auch Bilal Erdoğan möglichen Befragungen durch die Staatsanwaltschaft. Vorgeworfen wurden ihm Untreue, Ausschreibungsmanipulation und Machtmissbrauch des Vaters, um lukrative Geschäfte zu vermitteln. Mitte Januar teilte dann der dem Justizministerium unterstellte Hohe Richterrat (HSYK) mit, dass weitere 20 Staatsanwälte ihrer Posten enthoben und versetzt wurden. Unter ihnen befand sich auch der oberste Staatsanwalt in Istanbul, Turhan Colakkadi.

Erst in der vergangenen Woche nahm Recep Tayyip Erdoğan seinen Sohn nun erneut in Schutz. Es kursierten Gerüchte, wonach er sogar das Land verlassen haben soll. Der Premier sprach von einer „Schmutzkampagne“ der Opposition.

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