Deutschland: Türkische Gemeinde verteidigt Bulgaren und Rumänen

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, stellt sich auf die Seite der Einwanderer aus Rumänien und Bulgarien. Es werde eine Neuauflage der „Sarrazin-Debatte“ durchgeführt. Dabei seien alle Menschen in der EU von denselben Problemen betroffen. Die EU müsse eine Debatte über soziale Grundrechte in Europa führen.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Kenan Kolat, stellt sich gegen die populistische Debatte über die Zuwanderung aus Osteuropa.

In einem Gespräch mit den DTN sagte Kolat, dass die Rumänen und Bulgaren EU-Bürger seien. Auch sie haben das Recht, von der EU-Freizügigkeit Gebrauch zu machen. Es stimme, dass die Kommunen überfordert seien. Ihnen dürfe nichts vorgeworfen werden. Doch die Wurzel des Problems liege woanders. Kolat sagte den DTN:

„Solange wir nicht die sozialen Grundrechte aller Bürger in Europa nicht in die Tat umsetzen, wird es auch immer Migrationswellen innerhalb der EU geben. In Europa gibt es ein Verteilungsproblem. Etwa 25.000 deutsche Unternehmen machen Riesengewinne in Rumänien und Bulgarien. Doch die Situation der Menschen verbessert sich nicht – auch nicht die Situation der Fachkräfte. Auf der anderen Seite wächst die Armut in Deutschland. Hier erkennen wir deutlich, dass alle Menschen in Europa von demselben Problem betroffen sind.“

Der aktuelle teilweise „rassistische“ Diskurs sei eine Neuauflage der Sarrazin-Debatte. Nur diesmal seien nicht die Muslime die Sündenböcke, sondern  EU-Bürger aus Bulgarien und Rumänien. Europa habe ein Verteilungs-Problem. Das Fehlen des sozialen Ausgleichs sei in allen EU-Staaten vorhanden. Das gilt sowohl für Deutschland als auch für alle anderen EU-Staaten. Doch stattdessen wird in Deutschland eine „Sozialneid-Debatte“ geführt.

Es gebe im Bereich des sozialen Transfer-Systems auch Missbrauchs-Fälle. Doch da seien Einheimische nicht ausgenommen. „Der aktuelle Populismus ist einfach nur beschämend. Unsere Unternehmen profitieren von den Missständen in Europa und in der Welt. Nicht andersherum. Das ist die Wahrheit“, so Kolat.

Er wünsche sich einen konstruktiven Diskurs über soziale Grundrechte in der EU. Daran werde sich die Zukunft Europas entscheiden.

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