Frankreich „verkauft“ seine Vorstadt-Ghettos an Katar

Frankreich und Katar unterhalten ein gemeinsames Investitionsprojekt, um Klein- und mittelständische Unternehmen zu fördern. Die Förderung soll den berüchtigten Vorstädten aus der Krise helfen. Frankreichs Oppositions-Politiker wittern geheime Pläne hinter der Wohltätigkeit.

Frankreich hat mit Katar einen gemeinsamen Krisen-Fond gegründet. Dieser dient der finanziellen Hilfe für Start-ups in überwiegend von Muslimen bevölkerten Großstadt- Banlieues. Für junge Leute ist der finanzielle Beistand Katars existenzsichernde Hilfe oder zumindest noble Geste. Für Oppositionspolitiker von Links bis Rechts ist es eine riskante Einflussnahme eines autokratischen Staates.

Der ölreiche Golfstaat investiert auf der ganzen Welt. Frankreich gehört zu einen seiner Hauptabnehmer finanzieller Beihilfen. Prominentes Beispiel für die katarische Kauflust ist der Pariser Fußballclub Paris Saint-Germain, den der Golfstaat 2011 für insgesamt 50 Millionen Euro erwarb.

Am Anfang der Förderung stand ein Wunderwerk der Diplomatie. Ein Verband ausgewählter Lokalgrößen zur Förderung der Vielfalt (ANELD) entsendete nach Berichten der Libération junge Mitglieder um die ganze Welt, mit dem Auftrag, um finanzielle Unterstützung zu werben. Nachdem die Reisen nach Kanada, Schweden, die Vereinigten Staaten und Marokko nicht den gewünschten Erfolg ergab, wurde ANELD in Katar fündig: Im Dezember 2011 verständigten sich nach Berichten von presseurop Frankreich und Katar auf einen Fonds von 100 Millionen.

Doch die Kooperation zwischen der damaligen Regierung Sarkozy und Emir Scheich Tamim bin Hamad al Thani veranlasste die Opposition zu heftiger Kritik: Der damalige Vorsitzende der linken Liberalen Front, Eric Coquerel, stellte die Frage nach der hintergründigen Absicht des Ölstaates in den Raum: „Warum will Katar investieren? Eine Investition kommt niemals ohne Hintergedanken“, so zitiert der Radiosender PRI Coquerel.

Der Präsident der bürgerlichen Abspaltung NDA, Nicolas Dupont-Aignan, sieht die Wurzel des Problems bei investierten Staaten mit anderer religiöser Prägung. Er bekennt sich zu seinem Hass gegenüber muslimischen Staaten, die muslimischen Gemeinden in Frankreich Geld geben. „Ich mag es nicht, dass Religionsangelegenheiten in Katar entschieden werden“, so Dupont-Aignan.

Dupont-Aignan sagt weiter:

„Denn wir haben eine neue Religion in Frankreich – nämlich die muslimische – und nun wird diese muslimische Religion von Algerien, Marokko, Tunesien und so weiter finanziert (…) Das ist sehr gefährlich.“

Doch Frankreichs Präsident François Hollande fährt mit der Katar-Politik seines Vorgängers fort. Im vergangenen Juni nutzte Hollande eine zweitägige Visite in Doha, um um zusätzliches Geld für neue Arbeitsplätze in Frankreich zu werben. Bei diesem Staatsbesuch verhandelten Frankreich und Katar auch über die Unterstützung der Rebellen im lybischen Bürgerkrieg, so die Financial Times. Dabei ging es auch um den Verkauf von französischen Mehrzweckkampfflugzeugen.

Zudem finanziert Katar die Rebellen im Syrien-Krieg, schreibt FT-Journalist Roula Khalaf in einem Artikel.

Allerdings betonte Hollande, der 300 Millionen Dollar schwere Fond diene nicht der gezielten Förderung muslimischer Gemeinden, sondern allgemein der Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmen. „Ich lege wert auf Transparenz und habe das Verlangen, alle Missverständnisse zu klären,“ so Hollande in Doha.

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