Kardinal Meisner fordert mehr Kinder gegen Muslime

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner ließ in einer Lobrede eine zweideutige Bemerkung über muslimische Familien fallen. Darin pries er den Kinderreichtum der Mitglieder einer katholischen Täufer-Bewegung. Muslimische Verbände sind empört, die Bundes-Integrationsbeauftragte zeigt sich desinteressiert.

Es sollte ein Ausdruck der Wertschätzung für die Glaubensstärke und die Tatkraft der Anhänger des Neokatechumenalen Weges sein: Kardinal Joachim Meisner sagte in einer Rede zu deren Gründer, Francisco José „Kiko“ Argüello, die Familien der Bewegung ersetzen ihm drei muslimische Familien.

Argüello hatte zuvor auf die hohe durchschnittliche Kinderzahl der Neokatechumenalen verwiesen, die sogar die durchschnittliche Kinderzahl der Muslime übersteige. Das Neokatechumenat erwartet von seinen Anhängern ein absolutes Gehorsam. Kritiker stufen diese Ausrichtung des Katholizismus als fundamentalistisch ein.

Meisner wollte mit seiner Bemerkung seinen Verdienst im Kampf für die Anerkennung der Evangelisierungs-Bewegung herausstreichen. Den Bedenken des Heiligen Stuhls sei er stets mit dem Einwand begegnet, „Leute, dahinter steht die Glaubenskraft von Eheleuten, die zehn Kinder in die Welt setzen”, so zitiert der Kölner Stadtanzeiger Meisner.

Ditib-Chef Bekir Alboğa behauptete, er sei sprachlos, um anschließend auszuführen: „Man stelle sich vor, ein muslimischer Würdenträger in vergleichbarer Position würde diesen Satz formulieren – ein Empörungsschrei ginge durch die Gesellschaft.“ Die Aussage dürfe nach Alboğas Vorstellungen nicht unbeantwortet bleiben.

Der Vorsitzende des muslimischen Zentralrates Aiman Mazyek schlägt den großen Bogen von Kirche zu Populärwissenschaft: Vermutlich sei dies ein Versuch Meisners, „sich mit Sarrazinähnlichen Äußerungen über Muslime einen rustikalen Abgang zu sichern. Mazyek spielt auf den altersbedingten Rücktritt Meisners Ende Dezember vergangenen Jahres an.

Nach Mazyeks Überzeugung bediene Meisner Ressentiments und islamfeindliche Stimmungen, „die wir so von der katholischen Kirche und besonders vom neuen Papst nicht kennen.“ Ali Kizilkaya, der Vorsitzende des Islamrates forderte ebenfalls mehr Respekt im interreligiösen Miteinander.

Die SPD reagierte unterschiedlich auf Meisners Äußerung: Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz, zeigte Unverständnis – aber im Wortsinne: Sie verstehe die Äußerung Meisners nicht und wolle sie auch nicht kommentieren.

Im Gegensatz dazu fühlt sich der Vorsitzende der SPD-Fraktion des Stadtrates Köln, Martin Börschel, auf Facebook dazu berufen, Papst Franziskus um einen versöhnenden statt spaltenden Oberhirten für die Nachfolge Meisners zu bitten.

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