Kurz vor Olympia: Human Rights Watch rüttelt mit brutalem Anti-Homosexuellen-Video auf

Kurz vor der Eröffnung der Olympischen Spiele in Sotschi veröffentlicht die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch ein schockierendes Video. Gezeigt wird verstörende Gewalt und die Diskriminierung Homosexueller in Russland, die offenbar kaum geahndet wird. Eine fatale Botschaft in die Welt.

Die internationale Menschenrechtsorganisation lenkt kurz vor Beginn der Olympischen Spiele noch einmal den Fokus auf die verheerende Situation von Schwulen, Lesben, Trans- und Bisexuellen in Russland. Das am Montag veröffentlichte Video wurde mittlerweile fast 41.000 Mal angesehen.

In einer begleitenden Erklärung fordert Human Rights Watch die russische Regierung nun auf, gegen die sich „verschlechternde Situation“ von LGBT-Menschen und Aktivisten vorzugehen. Nicht zuletzt die Untätigkeit der Behörden habe dazu geführt, dass Angreifer zu Übergriffen und Gewalt ermutigt würden, berichtet die New York Times.

„Indem sich die russischen Behörden auf einem Auge blind für homophobe Rhetorik und hasserfüllte Gewalt zeigen, senden sie eine gefährliche Botschaft, die besagt, dass es nicht falsch ist Homosexuelle anzugreifen. Gerade jetzt, da die Welt zu Olympia vor der Tür steht“, so Tanya Cooper , Russland Expertin von Human Rights Watch.

Opfer schweigen aus Angst und Resignation

Das von Human Right Watch veröffentlichte Material stammt zumeist von Bürgerwehren. Diese stellten ihre Angriffe online, um die Opfer zu demütigen und um für ihr Gedankengut zu werben. Hierzu erklärt die Menschenrechtsorganisation:

„LGBT-Menschen sind in ihrem Alltag in Russland Stigmatisierung, Belästigung und Gewalt ausgesetzt. LGBT-Opfer von Gewalt und Gruppen erklärten gegenüber Human Rights Watch, dass sich diese Probleme im Jahr 2013 verschärft hätten. Opfer in Städten wie Moskau, St. Petersburg und Nowosibirsk berichteten Human Rights Watch, dass sie in der Öffentlichkeit angegriffen, entführt, geschlagen, schikaniert, bedroht und psychisch misshandelt worden seien. Sie erzählten Human Rights Watch, dass sie Angst hatten zur Polizei zu gehen, um die Übergrife zu melden, aus Angst, weitere Belästigungen. Sie glauben außerdem, dass die Polizei sich nicht die Mühe machen würde, ihre Angreifer zu verfolgen. Gingen sie aber doch zur Polizei, geschah meist nur recht wenig.“

Mit großer Mehrheit hat das Unterhaus des russischen Parlaments im Juni 2013 einen Gesetzesentwurf verabschiedet, der die Stigmatisierung der gesamten russischen Homosexuellencommunity bedeutet. Damit stellt Russland nicht nur Homosexualität in der Öffentlichkeit unter Strafe. Auch das Weitergeben von Informationen zum Thema an Kinder wird geahndet.

Gerichte zeigen sich betont nachsichtig mit Tätern

Bei Verstößen werden nicht nur für russische Verhältnisse horrende Beträge zwischen 100 und 11.700 Euro fällig. Zudem müssen Medien, die über Homosexualität berichten, eine  dreimonatige Schließung fürchten. Ausländern droht sogar Abschiebung und Arrest (mehr hier).

Homosexuelle haben in Russland bereits seit längerem mit Anfeindungen zu kämpfen.  Immer wieder kommt es zu Attacken auf offener Straße, teils mit tödlichem Ausgang. Die Gerichte zeigen sich auf der anderen Seite betont nachsichtig mit den Tätern. Wie feindlich die Stimmung im gesamten Land ist, legte RIA Novosti bereits im vergangenen Mai dar. In einer Umfrage des Lewada-Zentrums hatte sich die Hälfte der Russen für eine „Zwangsheilung“ und strafrechtliche Verfolgung von Lesben und Schwulen ausgesprochen. Drei Viertel der Bevölkerung gaben zudem an, dass sie für ein Verbot jeglicher öffentlicher Bekundung von Homosexualität seien. Damit stünden Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender (LGBT) in der Sympathie-Skala unter Menschen anderer Nationalität, anderer Religion oder anderer sozialer Schichten.

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