Schießbefehl an türkischer Grenze: Mehr als 130 Tote in elf Jahren

Nach Angaben des türkischen Verteidigungsministers Ismet Yılmaz wurden in den vergangenen elf Jahren 134 Menschen an der türkischen Grenze getötet. Das handeln der Soldaten ist gesetzlich legitimiert. Tiefe Wunden hinterlässt es dennoch.

Der türkische Verteidigungsminister Ismet Yılmaz nahm am Dienstag Stellung zu einer schriftlichen Anfrage des Istanbuler CHP-Abgeordneten Sezgin Tanrıkulu. Der Oppositionspolitiker wollte Auskunft darüber erhalten, ob es „Schießbefehle“ gegen Personen gegeben habe, die Güter über die Grenze schmuggeln oder diese illegal übertreten wollten.

Dem Verteidigungsminister zufolge agierten die Türkischen Streitkräfte (TSK) auf Grundlage des interneten Dienstrechtes sowie des Gesetzes zur Verhinderung und Verfolgung von Schmuggel. „Die Gesamtzahl der Personen, die ihr Leben an den Grenzen der Türkei zwischen dem 1. Januar 2003 und dem 1. Oktober 2013 verloren haben, beträgt 134“, zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet.

Die Türkei muss derzeit nicht nur mit einem enormen Zustrom von Flüchtlingen aus dem bürgerkriegsgebeutelten Nachbarland Syrien, sondern auch mit verstärkten Schmuggelaktivitäten fertig werden. Dass eine solche Handhabe jedoch auch dramatisch schiefgehen kann, davon zeugt unter anderem der Vorfall von Uludere vor etwas mehr als zwei Jahren. Türkische Kampfjets bombardierten am 28. Dezember 2011 eine Gruppe von Schmugglern, die man fälschlicherweise für Mitglieder der Terrororganisation PKK gehalten hatte. 34 Zivilisten aus den Ortschaften Ortasu, Gülyazı und Ortabağ, teils fast noch Kinder, starben.

Die dramatischen Ereignisse an der irakisch-türkischen Grenze vom 28. Dezember 2011 lassen die Angehörigen der 34 Opfer noch immer nicht zur Ruhe kommen. Nach wie vor gibt es keine strafrechtlichen Konsequenzen des Massakers von Uludere. Mit Geld, wie es ihnen die türkische Regierung angeboten hat, ist die Angelegenheit nicht aus der Welt zu schaffen (mehr hier).

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