Keine Moschee in Sotschi: 20.000 Muslimen fehlt ein Ort zum Gebet

Für gläubige Muslime beginnen die Olympischen Winterspiele in Sotschi mit einem faden Beigeschmack. Nach wie vor fehlt ihnen eine richtige Moschee in der Stadt. Bereits seit 1996 bemühen sie sich um eine Lösung.

Für Sotschis Muslime ist die Feierstimmung zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele getrübt. Die russischen Behörden haben es nicht geschafft, für die gut 20.000 Gläubigen eine Moschee zu errichten. Ihre Argumentation: Ein solcher Ort existiert bereits.

Sotschis Muslime müssen derzeit auf einen Platz gut 50 Meilen von der Stadt entfernt zurückgreifen. Gelegen ist der Gebetsraum in einem 180-Einwohner-Dorf mitten im Nirgendwo und ohne Bahnanschluss. Das berichtet das Nachrichtenportal Worldbulletin.

Mit Beginn der Olympischen Spiele erwartet die Schwarzmeer-Stadt nicht nur Athleten unterschiedlichster Herkunft, sondern auch Besucher aus der ganzen Welt. Doch nicht nur die Lage unweit der unruhigen Kaukasus-Region sorgte im Vorfeld für heftige Kritik. Auch das Fehlen einer Moschee habe für Unmut gesorgt, so das Blatt weiter. Bereits seit 2007 bereitet sich Sotschi auf die Austragung der wichtigsten sportlichen Wettkämpfe der Welt vor. Präsident Putin bezeichnete sein Prestigeprojekt nicht ohne Stolz als „größte Baustelle der Welt“.

Sotschis Muslime bemühen sich bereits seit 1996 um eine eigene Moschee. Bislang allerdings ohne Erfolg. Neben Privatpersonen engagierte sich 2009 auch der russische Mufti-Rat und wandte sich direkt an den damaligen Präsidenten Dmitri Medwedew. Obschon sich dieser damals dem Ansinnen gegenüber aufgeschlossen zeigte, sei bisher jedoch nichts geschehen.

Der Verweis der Behörden auf den weit entfernten Gebetsraum, obendrein die einzige anerkannte Moschee in einem weiten Umkreis, zwingt die Muslime in Sotschi nach wie vor in Keller und andere Örtlichkeiten wie ein Islamisches Zentrum mit Gebetsräumen für Männer und Frauen auszuweichen. Eine befriedigende Situation ist das nicht. Zumal die letzte Moschee in Sotschi bereits 1930 geschlossen wurde.

Noch seien die Gespräche über eine Moschee in Sotschi nicht endgültig abgeschlossen, so das Blatt. Doch die Hoffnung, dass die Stadt tatsächlich eines Tages wieder über eine Moschee verfügen würde, sind in Anbetracht der Verläufe andernorts eher gering. Zwar würden Projekte dieser Art durchaus genehmigt, aufgrund öffentlichen Drucks dann aber wieder verworfen. Hotspot solcher Proteste ist Moskau. Dort sind die rund zwei Millionen Muslime der Stadt gezwungen, mit gerade einmal vier Moscheen auszukommen (mehr hier).

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