64. Berlinale: Forest Whitaker als gläubiger Moslem in „Two Men in Town“

Nach einer heiteren Eröffnung mit „The Grand Budapest Hotel“ rückt Tag zwei der 64. Berlinale gleich zwei spannende Werke mit großartigen Schauspielern in den Fokus des Interesses: Forest Whitaker in „Two Men in Town“ und Jack O’Connell in „‘71“.

Nicht nur der Besuch von Monika Grütters, der neuen Staatsministerin für Kultur und Medien, sorgte am Freitag für Aufmerksamkeit auf der 64. Berlinale. Während sie dem European Film Market (EFM) im Martin-Gropius-Bau einen offiziellen Besuch abstattete, konnte sich das Publikum mit zwei besonders spannenden internationalen Produktionen befassen.

In dem französisch-belgisch-amerikanisch-algerischen Werk „Two Men in Town“ ist US-Star Forest Whitaker als gläubiger Moslem zu sehen. Die Szenerie entführt in eine von Wüste umgebene Kleinstadt in New Mexico, die im anbrechenden Tageslicht immer wieder ermordete und verdurstete Mexikaner ausspuckt.

Häftling William Garnett (Forest Whitaker) wird zu jener Zeit aus dem Gefängnis entlassen. Der Mann hat sich dank seines neu gefundenen muslimischen Glaubens vorbildlich verhalten und beginnt mit Hilfe einer ihm wohlgesinnten Bewährungshelferin ein neues Leben in der Stadt. Doch seine Vergangenheit holt ihn ein. Die Einwohner kennen seine Geschichte und bald sitzen ihm ein auf Vergeltung sinnender Sheriff und ein ehemaliger Kumpan aus der Unterwelt im Nacken. Garnett muss muss sich nun den Dämonen aus seinem alten Leben stellen.

Regisseur Rachid Bouchareb präsentiert in Berlin eine Neuverfilmung des französischen Krimis „Deux hommes dans la ville“ aus dem Jahr 1973, in dem sich Schriftsteller und Regisseur José Giovanni, der selbst im Gefängnis saß, mit den Ungerechtigkeiten des französischen Justizsystems befasst.

Forest Whitaker spielt seine Rolle sehr glaubwürdig und ergreifend. In den Nebenrollen sind Harvey Keitel und Luis Guzman zu sehen. Auf der Pressekonferenz erzählte Forest Whitaker, dass er mit Bouchareb mehrmals gesprochen habe, um eine Zusammenarbeit zu erwirken. Die Rolle des einstigen Häftlings beeindruckte ihn sehr. „Er ist ein großartiger Regisseur und ich habe es als eine große Chance empfunden. Es war für mich nicht schwierig, sondern eine große Erfahrung einen Muslim zu spielen“, so Forest.

Zweites Highlight an diesem Tag ist der nordirische Konfliktfilm „’71“ vom Regisseur Yann Demange, mit einem starken Jack O’Conell.

Die Geschichte spielt in England im Jahre 1971. Der Nordirland-Konflikt eskaliert immer mehr zu einem verheerenden Bürgerkrieg. Ausgerechnet jetzt wird der junge Rekrut Gary (Jack O’Conell) zum Einsatz in Belfast befohlen. Aber: Die Situation dort gilt als unübersichtlich und überfordert selbst erfahrene militärische Befehlshaber. Die Stadt ist geteilt in „loyale“ protestantische und „feindliche“ katholische Gebiete. Beide Parteien verfügen über paramilitärische Einheiten, dazu versuchen radikale Streetgangs und Undercoveragenten aller Seiten ihre Interessen auf eigene Faust durchzusetzen.

Dann passiert es: Während eines Streifengangs geraten die Soldaten in ein Handgemenge, einer von ihnen büßt seine Waffe ein. Gary und ein Kamerad folgen dem Dieb. Dieser kann jedoch in der Menge untertauchen. Sein Kamerad wird erschossen und plötzlich muss sich Gary mitten im Feindesland völlig allein behaupten. Auf dem Weg zurück zu seinem Stützpunkt erlebt er eine Nacht voller Ungewissheit, Angst und Verzweiflung. Ein gefährlicher Überlebungskampf beginnt….

„’71“ ist ein überaus gelungenes Drama, das den Zuschauer vom Beginn an fesselt und bis zum Schluss nicht mehr los lässt. Dazu ein starker Jack O’Conell, der sein Talent voll aussspielt. Er ist ein großartiger Schauspieler, von dem Filmfans sicherlich noch viel hören werden.

Der in Frankreich geborene Regisseur Yann Demange brachte seine jungen Schauspieler Jack O’Conell mit nach Berlin. Auf der Pressekonferenz gibt O’Connell einen Eindruck, wie hart die Rolle wirklich war. „Es war ein purer, harter Kampf und sehr anstrengend. Physische Voraussetzungen waren gefragt und ich musste top fit sein.“ Der Film „71“ hat eine gute Chance auf den Bären!

Kamuran Egri

Mehr zum Thema:

„The Grand Budapest Hotel“: 64. Berlinale eröffnet mit hintersinniger Tragikomödie
Berlinale 2014: Gleich vier türkische Filme sind dabei
Philip Seymor Hoffman: Berlinale ehrt verstorbenen Schauspieler

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.