Versuchte Flugzeugentführung: Das lief in der Maschine ab

Drei Tage nach der versuchten Entführung einer türkischen Passagiermaschine kommen neue Details über das Geschehen an Bord ans Licht. Offenbar ist es in erster Linie der Airline-Crew zu verdanken, dass nichts Schlimmeres bei der Aktion eines ukrainischen Mannes geschehen konnte.

Die versuchte Flugzeugentführung am Abend des 7. Februar nahm vor allem Dank der türkischen Crew und nicht aufgrund des Eingreifens der Sicherheitskräfte ein glückliches Ende.

Offenbar hatte sich der 45-jährige Ukrainer nur wenigen Minuten nach dem Start in Richtung Istanbul aus seinem Sitz erhoben. Zeugenaussagen zufolge habe er in einer der ersten Reihen gesessen und dann ein Mobiltelefon schwingend in der Kabine gestanden. Er soll vorgegeben haben, damit eine Bombe zünden zu wollen, die sich im Gepäckraum befinde, so die türkische Zeitung Hürriyet.

Anschließend habe er versucht, sich Zugang zum Cockpit zu verschaffen und forderte die Piloten auf, die Maschine statt nach Istanbul nach Sotschi zu steuern. Der Crew sei es gelungen, dem Mann Glauben zu machen, dass man tatsächlich nach Russland unterwegs war. In Wirklichkeit setzten die Piloten jedoch einen Notsignal ab und steuerten weiter in Richtung Türkei. Um den Mann in Sicherheit zu wiegen, erklärte die Kabinencrew den Passagieren, dass man aufgrund technischer Probleme in Sotschi landen werde. Danach habe der Entführer nach einer Decke verlangt und in der zweiten Reihe Platz genommen. Selbst als die Maschine bereits auf dem Sabiha Gökçen Airport angekommen sei, hätte man ihn in dem Wissen gelassen, dass man unterwegs nach Sotschi gewesen wäre.

Sofort nach der Landung leiteten Spezialeinheiten die Verhandlungen mit dem Entführer ein, während die Kollegen das gesamte Gepäck durchsuchten. Das Team verwendete vor dem Eintritt in den Kabinenbereich einen Störsender als Vorsichtsmaßnahme, obwohl keinerlei Sprengstoff im Laderaum gefunden werden konnte. Der Mann konnte sofort abgeführt werden.

Während der ersten Vernehmung nach seiner Festnahme soll Artem K. die Freilassung von Dutzenden von ukrainischen Demonstranten, darunter die der ehemaligen Ministerin Julia Timoschenko, verlangt haben. Mit seiner Aktion habe er außerdem gegen den ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch und seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin protestieren wollen. Beiden soll er vorgeworfen haben, ihre „Hände in Blut getränkt“ zu haben (mehr hier).

Die türkische Maschine will der 45-Jährige übrigens nicht aus einem bestimmten Grund ausgesucht haben. Sie sei schlicht die erstbeste Gelegenheit gewesen. In der Ukraine soll er eine Vorstrafe wegen bewaffneter Raubüberfälle und Rowdytum haben. Die türkische Staatsanwaltschaft wirft ihm Entführung und Freiheitsberaubung vor.

Mehr zum Thema:

Versuchte Flugzeugentführung gen Sotschi: Türkisches Gericht erhebt Anklage gegen Ukrainer
Entführungsversuch: Türkische Verkehrsmaschine sollte nach Sotschi fliegen
Olympia 2014: USA fürchten Anschlag mit Zahnpasta-Bomben

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.