Dritter Airport in Istanbul: Türkisches Gericht stoppt Bauvorhaben

Es soll einer der größten Flughäfen der Welt werden: Jetzt geht in Sachen dritter Flughafen in Istanbul erst einmal gar nichts mehr. Ein Gericht hat das Bauvorhaben wegen Umweltbedenken gestoppt. Zuvor hatten die Bewohner der umliegenden Stadtteile eine entsprechende Klage eingereicht.

Anwohner des künftigen dritten Flughafens von Istanbul haben sich mit ihren Umweltbedenken vor dem Stadtgericht in Istanbul durchgesetzt und einen Stopp des Vorhabens erwirkt. Für das Mega-Projekt müssten unter anderem fast 700.000 Bäume fallen.

Bereits im Mai 2013 wurde eine Vereinbarung über den Bau des dritten Flughafens in Istanbul unterzeichnet. Die Beschwerdeführer fürchten, dass durch das riesige Vorhaben schwere Schäden für die Umgebung entstehen. Diese Einschätzung teilte nun auch das Gericht, so das Nachrichtenportal Focus-net.

Bis zu 150 Millionen Passagiere pro Jahr

Den Zuschlag für den Bau hatte das Limak Konsortium, bestehend aus Cengiz Holding, Kolin Holding, Limak Holding, Mapa Holding und Kalyon Holding, für umgerechnet für 22,1 Milliarden Euro erhalten. Ab 2017 wird das Konsortium das Recht haben, den geplanten Flughafen für 25 Jahre zu betreiben. Die Kapazitäten sollen 150 Millionen Passagiere pro Jahr erreichen können (mehr hier).

Der neue Flughafen soll aus sechs Landebahnen, 16 Rollbahnen, 165 Fluggastbrücken und einem 6,5 Millionen Quadratmeter großen Flugfeld mit einer Parkplatz-Kapazität für 500 Flugzeuge bestehen. 100.000 neue Arbeitsplätze soll das Großprojekt schaffen. Die Kosten sollen sich auf zehn Milliarden Lira, umgerechnet gut 3,3 Milliarden Euro, belaufen.

Fast 700.000 Bäume müssen abgeholzt werden

In einem Bericht der Umweltverträglichkeitsprüfung (ÇED) heißt es jedoch, dass sich derzeit 2.513,341 Bäume auf den Baugelände des dritten Istanbuler Flughafens befinden. 657.950 müssen abgeholzt, die restlichen 1.855,391 müssen umgepflanzt werden. Es soll einer der größten Flughäfen der Welt werden (mehr hier).

Auch die türkische Presse äußerte bereits im Sommer 2013 Bedenken: „Das erste was hier ab­flie­gen wird, ist die Um­welt“, titelte etwa die türkische Zeitung Zaman im vergangenen Juni. Bei dem für den Bau vorgesehenen Areal han­delt sich um ein ehe­ma­li­ges Braun­koh­le­ab­bau­ge­biet. Das Gebiet ist von ste­hen­den Ge­wäs­sern durch­zo­gen und hat sich Laufe vieler Jahre selbst re­na­tu­riert. Zu­sam­men mit dem Ter­kos-​See gilt es als grüne Lunge und als Trink­was­ser­re­ser­voir von Istanbul. Zudem ist es ein wich­ti­ger Rast­platz für den Vogelzug, etwa dem der Ost­rou­te des Weiß­storchs. Nach ge­gen­wär­ti­ger na­tio­na­ler Na­tur-​ und Was­ser­schutz­ge­setz­ge­bung dürf­te auf dem Ge­län­de gar nicht ge­baut wer­den. Neben riesigen Baumfällarbeiten sind auch gigantische Erdbewegungen notwendig.

Der Airport soll auf der europäischen Seite der Stadt, zwischen Yeniköy und Akpinar, in der Nähe des Sees Terkos entstehen. Dort plant das Ministerium für Umwelt- und Stadtplanung zudem die so genannte „İstanbul Metropolitan“, eine Satellitenstadt mit gut 1,5 Millionen Einwohnern.

Baustart für den dritten Flughafen sollte eigentlich im ersten Quartal 2014 sein. Die Eröffnung war für spätestens 2019 geplant.

Frankfurt fürchtet Konkurrenz am Bosporus

Die Dimensionen werden auch in Deutschland kritisch beäugt. Wenn auch aus rein ökonomischer Perspektive. So zeigte sich Peter Schmitz, Vorstandsmitglied bei Fraport und dort zuständig für den Bereich Operationen, im vergangenen November vom Plan des Baus eines dritten Flughafens Istanbul beunruhigt. „Frankfurt ist eines der wichtigsten Zentren für den Flugverkehr in Europa (…) Ein dritter Flughafen in Istanbul wäre für uns in dieser Hinsicht ein Konkurrent, da Istanbul dann ein wichtiger Hub für Flüge in Richtung Osten würde.“ Durch die zu erwartenden Transfers in Richtung Osten würde die wirtschaftliche Bedeutung dorthin verlagert werden, so Schmitz weiter. Istanbul werde zu einem natürlichen Umschlagplatz werden. Das werde auch durch die aggressiven Wachstumspläne von Turkish Airlines unterstützt.

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