Gezi Park Proteste: Französische Studentin verklagt türkisches Finanzministerium

Während der Gezi Park Proteste gerät eine junge Französin zufällig ein ein Gebäude, in dem die Polizei Terroristen vermutet. Ihr Zufluchtsort vor den Tränengas-Attacken der Beamten wird für sie zur bösen Falle. Sie wird verhört, tagelang festgehalten und schließlich sogar abgeschoben. Jetzt verlangt die 24-Jährige Kompensation.

Eine 24-jährige französische Studentin will ihre Erlebnisse während der Gezi Park Proteste in der Türkei nicht auf sich beruhen lassen. Die junge Frau wurde von der Polizei verhaftet und anschließend ausgewiesen. Jetzt hat sie Beschwerde gegen das türkische Finanzministerium für die unrechtmäßige Inhaftierung, wegen des Verstoßes gegen ihre persönliche Freiheit, Gefährdung ihrer Sicherheit und ihr Recht auf Versammlung eingereicht.

Elisa Marianne Couvert stellte Strafanzeige beim Hohen Strafgerichtshof von Istanbul. Daneben verlangt sie 50.000 Lira, umgerechnet fast 17.000 Euro, vom türkischen Finanzministerium. „Ich habe acht Tage lang unter harten Bedingungen im Kumkapı Zentrum für Ausweisungen auf die Durchführung meiner Abschiebung gewartet“, zitiert sie die türkische Zeitung Hürriyet.

Am 11. Juni 2013 wurde sie im Zuge der Gezi Park Proteste von der Polizei verhaftet, als sie in einer SDP-Niederlassung Unterschlupf suchte. Die Studentin gibt vor, dass sie nichts über die Sozialistische Demokratische Partei oder das Gebäude gewusst habe, als sie dort mit gut 30 anderen Zuflucht vor einer Tränengasattacke suchte. Was Couvert nicht wusste – eine Gruppe, die ebenfalls in dem Gebäude Unterschlupf gefunden hatte, wurde beschuldigt, bei den Protesten Molotowcocktails eingesetzt zu haben. Die Polizei führte deshalb eine Razzia im Gebäude der Partei durch und nahm Berichten zufolge 70 Personen fest. Zunächst wurden die Festgenommenen verdächtigt, nach Angaben der Sicherheitskräfte Teil einer „terroristischen“ Vereinigung zu sein.

Die Polizei hielt die junge Frau vier Tage lang fest und befragte sie über ihre Verbindungen zur SDP. Die Beamten beschuldigten sie, eine französische Spionin zu sein. Detailliert verlangten die Polizisten Auskunft über ihr Leben in der Türkei, einschließlich ihrer Universitätsarbeit, die sie gerade verfasste. Ihre Aufenthaltserlaubnis wurde schließlich ohne offizielle Erklärung aufgehoben. Und das, obwohl die Staatsanwaltschaft alle Vorwürfe gegen die junge Studentin fallen gelassen hatte (mehr hier).

Die Erasmus-Studentin hatte vor zwei Jahren ein Austauschprogramm an der Galatasaray Universität begonnen und schrieb ihre Masterarbeit zum Thema „Kurden, die Kurdisch später lernen“. Im Oktober hätte sie diese abgeben müssen.

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