FED: Türkei hat größte Verwundbarkeit unter den Schwellenländern

Analysten der US-Notenbank (FED) haben die wirtschaftliche Verwundbarkeit in 15 großen Schwellenländern untersucht. Ihr Ergebnis: Die türkische Wirtschaft ist am anfälligsten, gefolgt von Brasilien und Indien.

Die Politik der Türkei hat das Land besonders anfällig für externe Schocks gemacht und führte zu erheblichen Verlusten in seiner Landeswährung. Das ist das Fazit von FED-Analysten, die die Situation in 15 Schwellenmärkten untersucht haben.

In einem Bericht an den US-Kongress am Dienstag räumte die US-Notenbank zwar ein, wahrscheinlich einen Sell Off in der Dritten Welt ausgelöst zu haben. Gleichzeitig weist sie jedoch darauf hin, dass einige Staaten „in den Spiegel sehen“ müssten, warum ihre Märkte derart reagiert hätten.

FED-Ankündigung führt zu Kapitalabflüssen

Mitte 2013 kündigte die US-Notenbank an, ihre Geldflut reduzieren zu wollen. Die Börse reagierte auf diese Aussage mit einem Schock. Die Kurse stürzten weltweit ab (mehr hier). Die Ankündigungen schürten weltweit Sorgen über mögliche destabilisierende Verschiebungen des internationalen Geldflusses. Die Erhöhung der Langfristzinsen als Folge der Erwartungen geringerer Anleihenkäufe führte schließlich zu drastischen Kapitalabflüssen und Zinserhöhungen aus Schwellenländern wie Indien oder auch der Türkei.

Mittlerweile hat die Lira gegenüber dem US-Dollar die Hälfte ihres Wertes verloren, so die türkische Zeitung Zaman. Vor der weltweiten Finanzkrise wurde ein Dollar zu 1,2 Lira gehandelt. An diesem Mittwoch stand der Dollar zu 2.19 Türkische Lira. Der wichtigste Benchmark-Index der Borsa İstanbul (BIST) wurde am Nachmittag um 0,7 Prozent höher bei 64.714 Punkten gehandelt. Marktbeobachter spekulieren, dass die Zentralbank in den nächsten Wochen allmählich Milliarden US-Dollar einbringen will, um die angeschlagene Lira gegenüber dem Dollar zu stützen. Die Bank hat bereits viel von ihrer Devisenarsenal verbrannt (mehr hier).

Entgegen dem Willen von Premier Recep Tayyip Erdoğan hat die türkische Zentralbank im vergangenen Monat den Leitzins hochgefahren, um ein weiteres Abgleiten der Lira zu verhindern (mehr hier). Gebracht hat die kurzfristige Anhebung von 4,5 Prozent auf 10,0 Prozent allerdings nicht viel.

Türkei 2014: Wahlen als Vertrauenstest für Investoren

Sorgen um die Türkei äußerte auch die Finansbank Ende vergangenen Jahres. Die türkische Wirtschaft wird von Jahr zu Jahr anfälliger gegenüber externen Schocks. Ausgerechnet das Superwahljahr 2014 wird zum ökonomischen Schicksalsjahr der Türkei. Die türkische Regierung läuft Gefahr, die Schwachstellen der türkischen Ökonomie im Wahlkampf aus den Augen zu verlieren. „Die türkische Wirtschaft ist gegenüber weltweiten Entwicklungen sehr verwundbar geworden und ich glaube, dass diese Tapering-Geschichte und Unsicherheiten die Anfälligkeit im nächsten Jahr sogar noch verstärken werden“, zitiert der Oman Observer Deniz Çiçek, Ökonom der Finansbank Istanbul. Mit Tapering meint Çiçek ein mögliches Auslaufen der Geldvermehrung von Seiten der Federal Reserve Bank, des Zentralbank-Systems der USA.

Çiçek betont die Rolle der 2014 anstehenden Wahlen als eine Art Vertrauenstest für die Investoren. „Selbstverständlich stellen die Wahlen ein großes Fragezeichen dar, aber der Einfluss auf die Wirtschaft wird begrenzt sein, solange die öffentlichen Ausgaben nicht völlig außer Kontrolle geraten.“

Den FED-Analysten zufolge seien die Staaten am stärksten gefährdet, die die tendenziell größten Währungsabwertungen erlebten sowie einen größeren Anstieg der Zinssätze für die Staatsverschuldung. „Dieser Umstand steht im Einklang mit der Ansicht, dass die Verringerung des Ausmaßes der wirtschaftlichen Schwachstellen wichtig ist, um die Schwellenländer widerstandsfähiger gegen Schocks zu machen“, so die FED.

Hier geht es zum vollständigen FED-Bericht.

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