Erdoğan-Anruf bei Habertürk: Fast eine Million Internetuser sehen YouTube-Video

Die öffentlich gewordene Beschwerde des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdoğan bei einem privaten Fernsehsender hat sich zum echten Internet-Hit entwickelt. Ein am 4. Februar online gestelltes YouTube-Video wurde schon mehr als 800.000 Mal aufgerufen. Mittlerweile hat Erdoğan eingeräumt, sich während der Gezi Park Proteste in die Programmgestaltung eingemischt zu haben.

Weil der private türkische Nachrichtensender Habertürk „beleidigende“ Botschaften der Opposition verbreitete, sah sich Premier Recep Tayyip Erdoğan im vergangenen Sommer offenbar genötigt, persönlich in das Mediengeschehen einzugreifen. Sein in der vergangenen Woche öffentlich gewordener Telefonanruf zieht im Netz mittlerweile weite Kreise.

Während einer Marokko-Visite im vergangenen Juni griff Erdoğan zum Telefon, um bei Habertürk-Vorstandsmitglied Fatih Sarac persönlich vorzusprechen. Die auf YouTube veröffentlichte Beschwerde des Premiers bei Sarac ist mittlerweile in echter Hit im Netz. Mehr als 800.000 User sahen sich allein den 4:20 Minuten dauernden Clip an, so die britische BBC.

Eine halbe Million Tweets in 24 Stunden

Auch auf Twitter machte der Skandal die Runde. Der Hashtag #MedyayaBaskıVar („Es gibt Druck auf die Medien“) wurde in Reaktion auf das Video zu einem echten Trend unter türkischen Usern. An diesem Freitag schaffte er es immer noch auf Platz 7 der weltweiten Top 20. Binnen 24 Stunden soll es mehr als eine halbe Million Tweets zum Thema gegeben haben. Zu lesen sind Zeilen wie diese: „Mainstream-Medien sind Regierung Verbündete… Schleimer.“

In dem Telefongespräch lässt sich Erdoğan darüber aus, dass das im News-Laufband von Habertürk ausführlich über eine Rede des Nationalistenchefs Devlet Bahceli berichtet wurde. „Was Bahceli sagt, ist lang und breit auf dem Band“, so der Premier. Sarac versucht darauf hin zu beschwichtigen und antwortet, dass er verstanden habe. Erdoğan reichte das aber offenbar nicht. „Du sagst, ‚ich habe verstanden‘, aber warum zum Donnerwetter sind die Sachen immer noch da?“ Sarac gab schließlich klein bei und versprach, Bahcelis Botschaften umgehend vom Laufband zu nehmen. Kurz darauf trug Sarac einem Mitarbeiter auf, den Bahceli-Text zu entfernen.

Erdoğan verteidigt seinen Anruf

Online gestellt wurde das Gespräch vor einigen Tagen von einer Gruppe namens Haramzadeler Collection. Nach Angaben der BBC soll es sich dabei um selbsternannte Anti-Korruptions-Aktivisten handeln. Wie sie zu der Aufnahme kamen, ist bisher allerdings unklar.

Erdoğan hat das Gespräch mittlerweile öffentlich während einer Pressekonferenz in Ankara eingeräumt. Einsichtig zeigte er sich allerdings nicht. Seiner Ansicht nach habe er gegen die „Beleidigungen“ vorgehen müssen.

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