In Bedrängnis: Türkei hat sechstgrößtes Handelsdefizit der Welt

Die türkischen Importe steigen schneller als die Exporte. Mittlerweile verzeichnet die Türkei das sechstgrößte Defizit weltweit. Die US-Zentralbank Fed und der IWF beurteilen das Land deshalb als sehr anfällig für Krisen.

Das Handelsdefizit der Türkei wächst schneller als erwartet. Wie die Regierung bekannt gab, liegt das Defizit für 2013 bei etwa 65 Milliarden Dollar. Dadurch beträgt es mittlerweile acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Seit dem vergangenen Jahr ist das türkische Defizit nochmals deutlich angestiegen. 2012 erreichte es bereits 49 Milliarden Dollar.

Die Handelsbilanz erfasst alle Warenexporte und Warenimporte. Wenn ein Land mehr importiert als es exportiert, spricht man von einem Handelsdefizit. Die Türkei verzeichnet das sechstgrößte Handelsdefizit weltweit. Das größte Defizit haben weiterhin die USA mit 471,5 Milliarden Dollar. Darauf folgen Indien, Japan, England und Frankreich.

Allein im Dezember 2013 importierte die Türkei für 8,3 Milliarden Dollar mehr Waren als sie exportierte, wie die FT berichtet. Diese Zahl sei „wahrhaft erschreckend“, sagte Tim Ash, der Schwellenmarkt-Stratege der Standard Bank. Darüber hinaus sei das ausländische Direktinvestment in der Türkei mit 9,6 Milliarden Dollar nur halb so hoch wie noch vor fünf Jahren, so Ash.

FED: Türkei anfälligstes Schwellenland

Die US-Zentralbank Fed bewertete die Türkei aufgrund ihres hohen Defizits diese Woche als das anfälligste Schwellenland. Sie hatten die Situation in 15 Schwellenmärkten untersucht (mehr hier). Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzte die Situation in der Türkei in einer Studie vom Oktober 2013 bereits ähnlich bedrohlich ein, wie die Fed.

Die Entscheidung der Fed, ihr Anleihekaufprogramm zu drosseln, hat die wirtschaftliche Situation der Türkei nochmals verschlimmert. Die folgende Kapitalflucht brachte die Währung massiv unter Druck (mehr hier). Die türkische Zentralbank musste mit einer starken Leitzins-Erhöhung eingreifen und zog zwischenzeitlich sogar Kapitalverkehrskontrollen in Erwägung, um die Kapitalflucht zu stoppen (mehr hier).

„Die Finanzierung der Türkei ist hochgradig abhängig von kurzfristigem Kapitaleinfluss, da langfristigere und stabilere Formen der Finanzierung wie ausländische Direktinvestments zunehmend schwächer werden“, so Ilker Domac von der Citibank der FT.

Währungskrise: Türkischen Unternehmen droht der Bankrott

Die Türkei leidet unter einem starken Verfall der türkischen Lira. Dadurch verteuerten sich die Importe von Erdöl und Erdgas enorm, von denen das Land hochgradig abhängig ist. Zudem droht vielen türkischen Unternehmen durch die Währungskrise der Bankrott. Vergangene Woche wurden Daten veröffentlicht, die eine stark ansteigende Auslandsverschuldung türkischer Unternehmen aufzeigen. Demnach stiegen ihre Verbindlichkeiten von 65 Milliarden Dollar im Jahr 2008 auf 170 Milliarden Dollar im Oktober 2013.

Aufstrebende Unternehmen aus den Schwellenländern verschuldeten sich zu Boom-Zeiten massiv in Dollar. Nun, da die landeseigenen Währungen unter Druck geraten und ihre Schulden sich verteuern, bekommen viele dieser Firmen enorme Probleme. Es drohen weltweite Kreditausfälle, die  das globale Finanzsystem in ernsthafte Bedrängnis bringen können.

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