Angriff auf Moschee in Bulgarien: European Muslim Union verlangt intensivere Öffentlichkeitsarbeit

Nach dem Pogrom gegen die türkisch-muslimische Gemeinschaft im ungarischen Plowdiw fordert die European Muslim Union (EMU) nun umfassende Öffentlichkeitsarbeit auf europäischer Ebene. Außerdem sollte es eine gründliche Überprüfung muslimischen Eigentums geben.

Der Angriff auf eine Moschee in Plowdiw, der zweitgrößten Stadt Bulgariens, in der vergangenen Woche zieht weitere Kreise. Jetzt hat sich die European Muslim Union (EMU) angesichts des neuerlichen Ausbruchs von anti-muslimischen Hass in einem EU-Mitgliedsstaat zutiefst besorgt geäußert.

Die in Straßburg sitzende Vereinigung erklärte in einem am Sonntag veröffentlichten Statement:

„Die europäischen Muslime zeigen sich solidarisch mit ihren bulgarischen Schwestern und Brüdern. Dieses negative Ereignis ist ein weiterer Beweis für die Notwendigkeit, die professionelle Öffentlichkeitsarbeit auf europäischer Ebene zu verbessern und auszuweiten.“

Das Verfahren in Plowdiw unterstreiche außerdem die balkanweite Notwendigkeit für eine gründliche Neubewertung und – wenn gerechtfertigt – Rückerstattung das beschlagnahmten Eigentums, das den Muslimen durch nationalistische und kommunistische Regime nach dem osmanischen Rückzug von der Halbinsel genommen worden sei.

Auch der bulgarische Großmufti verurteilte die Angriffe vom Freitag und bezeichnete den Druck der Straße auf das Gericht als „Risiko für die Demokratie“. In den Augen von Mustafa Haci handelte es sich hier ganz klar um ein Pogrom. Ein Polizist, unbeteiligte Passanten und auch mehrere Demonstranten sollen verletzt worden sein.

Hunderte Personen hatten am 14. Februar versucht, eine Moschee zu stürmen. Die Fenster des Gebäudes wurden mit Steinen beworfen und zerstört. Bei den Angreifern handelte es sich um verschiedene islamfeindliche Gruppen. Nur der Einsatz der bulgarischen Sicherheitskräfte konnte Schlimmeres verhindern. 120 Personen wurden festgenommen. Zuvor fand eine Demonstration von etwa 2000 Bulgaren vor dem Berufungsgericht statt, die die Rückgabe einer staatlich enteigneten Moschee in Karlovo verhindern wollten (mehr hier).

Während der kommunistischen Herrschaft nach 1946 wurde der gemeinschaftliche Besitz der bulgarischen Muslime vom bulgarischen Staat konfisziert. Bei der Verhandlung handelte es sich nur um einen von 25 bis 30 Rechtsfällen, die die muslimische Gemeinschaft angestrebt hat, um wieder die Kontrolle über ihr Stiftungsvermögen (Waqf/Auqaf) zu erlangen. Die dem Gericht vorgelegten Besitzdokumente für das Stiftungsvermögen stammen nicht aus osmanischer Zeit, sondern wurden 1919 von der bulgarischen Monarchie ausgestellt.

Bulgarien ist nicht nur das ärmste Land der Europäischen Union, sondern hat mit 13 Prozent auch den höchsten Anteil von Muslimen an der Bevölkerung. Über die Rückgabe der Moschee soll binnen eines Monats entschieden werden.

Die EMU ist eine NGO im Rahmen der EU. Sie setzt sich für die Verständigung zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen in Europa ein. Dabei orientiert sie sich an der Idee eines vereinten Europas.

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