Gezi Park Proteste: So starb das erste Opfer

Gut ein dreiviertel Jahr nach dem Tod von Mehmet Ayvalıtaş ist neue Aufnahmen aufgetaucht, die den Tod des ersten Opfers der Gezi Park Proteste in der Türkei dokumentieren. Ayvalıtaş starb am 2. Juni 2013, nachdem er im Istanbuler Stadtteil Ümraniye von einem Auto ergriffen wurde. Er war auf der Flucht vor der Polizei.

Noch vor der letzten Anhörung zu seinem Fall am 5. Februar dieses Jahres erklärte die türkische Polizei, dass es keine Überwachungskameras ( MOBESE ) in der Gegend gegeben habe. Die Anklage beruhe nur auf der Grundlage von Zeugenaussagen. Jetzt ist neues Bildmaterial aufgetaucht, das den Vorfall deutlich zeigt.

Die von der türkischen Zeitung Radikal veröffentlichten Aufnahmen zeigen, dass Atvalıtaş und sein Cousin zuerst den Halt verloren, nachdem ein Auto, das nicht in der Anklageschrift zitiert wurde, mit sehr hoher Geschwindigkeit an ihnen vorbei fuhr. Kurz danach wurden beide von einem Taxi, das nicht mehr bremsen konnte, erfasst. Schließlich geriet ein SUV in die Situation und verursachte vermutlich den Tod von Ayvalıtaş.

Noch am 3. Juni, dem Tag nach dem tödlichen Geschehen, erklärte die Polizei, dass es aufgrund fehlender Überwachungskameras keine Aufzeichnungen des Vorfalls gebe. Während der zweiten Anhörung am 5. Februar wurde das nun veröffentlichte Material nach einem öffentlichen Aufschrei jedoch einbezogen.

Der 20-Jährige gilt bisher als das erste bestätigte Todesopfer der Gezi Park Proteste im vergangenen Sommer. Sein Cousin, Seyit Kartal, gab zu Protokoll, dass ein Auto direkt in die Gruppe gefahren sei. Er selbst habe in Richtung der anderen Leute geschaut und sei am Rücken getroffen worden. Erst als es ihm gelang, sich selbst wieder aufzurappeln, habe er Ayvalıtaş blutüberströmt liegen sehen.

Dem Autofahrer, Mehmet Görkem Demirbaş, ein Universitätsstudent, sowie dem Taxifahrer Cengiz Aktaş, dessen Fahrzeug den tödlichen Unfall verursacht hat, drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis. Beide befinden sich derzeit auf freiem Fuß.

Neben Ayvalıtaş starben sechs weitere Menschen während der Proteste: Abdullah Cömert (22), Ali İsmail Korkmaz (19), Ethem Sarısülük (26), Medeni Yıldırım (18), Ahmet Atakan (22) und schließlich Hasan Ferit Gedik (21).

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