Erdoğan greift wieder ein: Opposition darf nicht so oft in die Nachrichten

Auf Twitter ist neues Material aufgetaucht, das den türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan der Einmischung in die Medienlandschaft überführt. Abermals galt sein Augenmerk dem privaten türkischen Nachrichtensender Habertürk. Für den Geschmack des Premiers erhielt ein Bürgermeisterkandidat der Opposition hier zu viel Aufmerksamkeit.

Erst vor einigen Tagen tauchte auf YouTube der Mitschnitt eines Telefonats zwischen Premier Erdoğan und Habertürk-Vorstandsmitglied Fatih Saraç auf. Jetzt stehen die beiden Männer erneut im Fokus der Öffentlichkeit. Thema diesmal: Mustafa Sarıgül, CHP-Bürgermeisterkandidat in Istanbul. Ihm sollte nach Auffassung des Premiers nicht so viel Platz eingeräumt werden.

Durchgesickert ist das jüngste YouTube-Video am Montag über den Twitter-Account Haramzadeler, die schon für eine ganze Reihe von Veröffentlichungen verantwortlich zeichnen. Wie die selbsternannten Anti-Korruptions-Aktivisten jedoch an die Mitschnitte gekommen sind, ist nach wie vor unklar:

Zu hören ist Erdoğan, der sich darüber beschwert, dass Sarıgül zu oft thematisiert werde. Letzterer war gerade dabei in die CHP zurückzukehren, nachdem er jahrelang nicht aktiv gewesen war, so die Nachrichtenagentur Cihan. Erdoğan kritisierte Saraç, dass sowohl der Nachrichtensender Habertürk als auch die Zeitung Sarıgül zu viel Platz einräumen würden. Das müsse aufhören.

Erdoğan zufolge würde der CHP-Kandidat nur deshalb so oft gebracht, weil Turgay Ciner, Besitzer der Ciner Media Group, mit der Tochter von Hüsamettin Özkan verheiratet sei. Und der wiederum wäre für seine Sympathien für Sarıgül bekannt. Nach Ansicht des Premiers versuche das Medium am Image Sarıgüls zu feilen, um ihn an die Parteispitze zu bringen. Zwar versucht Saraç im Verlauf des Gesprächs das abzustreiten. Letztlich gibt er aber klein bei.

Das am 17. Februar veröffentlichte Video ist das jüngste in einer ganzen Reihe von Aufzeichnungen, die Erdoğans Einmischung in die Medienlandschaft dokumentieren. Der erste Clip, der sich um die Löschung vermeintlich beleidigender Botschaften dreht, wurde mittlerweile mehr als 800.000 Mal angesehen (mehr hier).

Erst am vergangenen Sonntag gingen in Istanbul Hunderte türkische Journalisten auf die Straße, um ihrem Unmut über die Einmischung der Regierung Luft zu machen. Ihre Sorge: Trete das vom Parlament verabschiedete Gesetz in Kraft, habe das eklatante Auswirkungen auf das Recht der Menschen auf Information. Gleichzeitig erhöhe die Regierung damit auch den Druck auf Medienbosse und Redakteure (mehr hier).

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