Gerüchteküche in Sotschi: Wurde Eiskunstlauf-Star Pluschenko zum Antritt gezwungen?

In einem exklusiven Interview mit dem Nachrichtensender CNN deutet der russische Eiskunstlauf-Star Evgeni Pluschenko nach seinem Olympia-Aus an, dass nicht alle Schritte seinem persönlichen Willen oblagen. Natürlich habe er teilnehmen wollen. Doch der Druck auf ihn sei immens gewesen.

Wurde der viermalige Olympiateilnehmer Evgeni Pluschenko vom russischen Eislaufverband trotz seiner schweren Rückenprobleme zur Olympia-Teilnahme gedrängt? Die kurzfristige Aufgabe des Sportlers, nachdem er im Team-Wettbewerb Gold für Russland holte, wirft eine Menge Fragen auf. In einem Interview mit CNN äußert er sich nun erstmals. Konkret kann er offenbar nicht werden.

Pluschenko, der bereits mehrfach operiert wurde, hatte sich beim Kurzprogramm der Herren am vergangenen Donnerstag während des Einlaufens am Rücken verletzt. Nach Absprache mit seinem langjährigen Trainer Alexej Mishin entschied er sich dann zur Aufgabe. Die Crux: Da der Wettbewerb bereits in vollem Gange war, bestand keine Möglichkeit mehr, Ersatzläufer Maxim Kovtun antreten zu lassen.

Im Gespräch mit Amanda Davies erklärt der Eiskunstläufer nun, dass man ihn von offizieller Seite trotz der potentiellen Gefahren gebeten habe anzutreten. Er selbst hatte seinen Platz jedoch einem Kollegen angeboten. Direkt danach gefragt, ob er gezwungen worden sei teilzunehmen, antwortete Pluschenko: „Das ist richtig.“ Er habe zwar laufen wollen, konnte aber einfach nicht. „Ich habe es versucht“, so Pluschenko weiter. Nach dem Gold-Erfolg im Team-Wettbewerb sei der Verband auf ihn zugekommen und habe ihn gefragt, wie er sich fühle, ob er antreten wolle. „Ich fühlte mich nicht gut. Ich bemerkte das Problem schon während der Kür im Team-Wettbewerb. Ich verpasste zwei Sprünge. (…) Ich fühlte die Muskeln schmerzen. Ich ging zu meinem Verband und erklärte, dass vielleicht jemand anderes laufen sollte.“ Dort habe man lediglich gesagt, was passiert sei, sei eben passiert.

Der Schritt des Olympiasiegers von Turin 2006 sorgte in den russischen Medien für gemischte Reaktionen, so das Portal spox.com. Einige ahnten jedoch, was vor sich ging. So sei der 31-jährige Eiskunstläufer etwa für die Redaktion des „Sport Express“ Opfer des immensen Leistungsdrucks gewesen. Das Medium schrieb: „Plushenko hatte keine Chance, sich aus diesem Abenteuer zurückzuziehen. Schließlich wollten wir alle ein weiteres Wunder sehen.“ Dieses bleibt allerdings aus: Mit Pluschenkos Rückzug wird Russland nun erstmals seit 1984 in der Herren-Konkurrenz ohne Medaille sein.

Zu seinem Karriereaus will sich Pluschenko im Interview nicht weiter äußern. „Ich bin nicht in der Lage zu sagen, was gerade passiert ist.“ Stattdessen verweist er auf Verbandspräsidenten Alexander Gorshkov, der alles erklären werde. Er würde erklären, warum er versucht habe zu laufen und warum er dann nicht angetreten sei.

Wie CNN schreibt, habe der Eiskunstläufer kurz nach dem Interview einen Rückzieher gemacht. „Ich möchte deutlich machen, dass der Verband keinen Druck auf mich ausgeübt hat“, so Pluschenko in einer Erklärung auf der Website der russischen Eiskunstlaufverbands. Zur Konfusion über seinen Rücktritt sei es aufgrund seiner schlechten Englischkenntnisse gekommen. Da er die Sprache nicht fließend spreche, könnten seine Antworten falsch interpretiert worden sein. Außerdem habe er Schwierigkeiten bei den Fragestellungen gehabt.

Am Samstag, so das Blatt weiter, habe der Eiskunstläufer dem russischen Medium Sovietsky Sport jedoch ebenfalls erklärt, dass er nach dem Team-Wettbewerb zugunsten von Maxim Kovtun habe zurücktreten wollen. Doch der 18-Jährige sei nicht auffindbar gewesen. Es hätte sich herausgestellt, dass es ihm nicht gut gegangen sei.

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