Studie: Antisemitismus unter Akademikern weit verbreitet

Mit der Fragestellung „Schützt höhere Bildung vor Rassismus und Antisemitismus?“ werden sich am Donnerstag eine Reihe von Wissenschaftlern im Jüdischen Museum Berlin auseinandersetzen. Nach Angaben einer Studie sollen kanadische und deutsche Studenten mehrheitlich antisemitisch und antimuslimisch eingestellt sein.

Ressentiments gegen ethnische und religiöse Minderheiten in Deutschland sind offenbar kein Randproblem bildungsferner Schichten. Auch an deutschen Hochschulen sind Feinseligkeiten gegen Minderheiten weit verbreitet.

Das geht jedenfalls aus einer empirischen Studie hervor, die am 20. Februar im Jüdischen Museum Berlin vorgestellt werden soll. Die Studie wurde von den Wissenschaftlern Wassilis Kassis von der Universität Osnabrück und Charlotte Schallié von der kanadischen Universität Victoria in British Columbia erstellt.

So sollen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit häufig vorzufinden sein unter den Lehrkörpern und Studenten der kanadischen und deutschen Universitäten. „Das Erschreckende für mich war, dass unsere Studierenden im Prinzip ähnliche Arten von sozialen Vorurteilen haben wie die allgemeine Bevölkerung“, zitiert ndr.de Kassis.

Etwa 50 Prozent der Befragten tendieren zur klassischen oder unterschwelligen Judenfeindlichkeit. Doch die Feindseligkeit gegen Muslime sei ausgeprägter. Etwa 80 Prozent der Studenten seien als muslimfeindlich einzustufen.

Der Osnabrücker Wissenschaftler Wassilis Kassis sagte dem Migazin:

„Es zeigt sich, dass Studierende, wenn sie anonym befragt werden, durchaus Vorurteile gegenüber jüdisch- und muslimischgläubigen Menschen hegen, sie scheinen nicht sehr tolerant. Dabei weichen die Studierenden hierin nicht relevant von der Allgemeinbevölkerung ab, was allerdings auch nicht wirklich beruhigend ist.“

Ob die Studie wirklich repräsentativ für Deutschland und Kanada ist und ob die Feindseligkeit politisch oder kulturell genährt ist, wird ebenfalls am Donnerstag im Jüdischen Museum Berlin besprochen werden.

Neben den Wissenschaftlern Kassis und Schallié werden auch die Historikerin Stephanie Schüler-Springorum, die Rassismus-Forscherin Iman Attia und der Sozialpsychologe Andreas Zick an der Podiumsdiskussion teilnehmen. Die Diskussion wird moderiert von Yasemin Shooman.

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