Trotz Syrien-Konflikt: Türkische Unternehmen wollen im Iran investieren

Obschon sich Ankara und Teheran über Syrien nicht einig sind, sollen die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Staaten offenbar intensiviert werden. Und das trotz wiederholter Warnungen aus den USA. Türkische Unternehmen wittern ihre Chance durch den im Januar unterzeichneten „Joint Plan of Action“.

Seit der Westen im Januar die wirtschaftlichen Sanktionen gegen den Iran gelockert hat, schauen sich türkische Unternehmen verstärkt nach Möglichkeiten im Iran um, so Bilgin Aygün, Vizepräsident des türkischen Foreign Economic Relations Board. Doch die USA warnt, die Zeit für Geschäfte sei noch nicht gekommen.

Iran ist einer der wichtigsten Handelspartner der Türkei. Doch Sanktionen haben das Handelsvolumen von 21,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2012 auf 13,5 Milliarden US-Dollar 2013 schrumpfen lassen. Die Türkei hofft nun, dass sich durch die Lockerung der Sanktionen im Rahmen des „Joint Plan of Action“ neue Geschäftsmöglichkeiten unter anderem im Energiesektor eröffnen (mehr hier).  Gerade hier bestehen von türkischer Seite hohe Importabhängigkeiten. Das Öl reiche Iran, immerhin der weltweit viertgrößte Ölproduzent, war in der Vergangenheit einer der türkischen Hauptlieferanten, so die International Business Times.

Erdoğan auf Visite in Teheran

Trotz der harschen Kritik des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdoğan an der Unterstützung Teherans für den syrischen Machthaber Bashar al Assad, stattete dieser Teheran bereits im Januar einen Besuch ab. Im Rahmen seiner Visite unterzeichnete er auch eine Kooperationsvereinbarung, um einen gemeinsamen Wirtschaftsausschuss zu bilden. „Ich hoffe, dass 2014 für unsere beiden Länder zu einem Meilenstein wird und dass wir bis Ende 2015 ein Handelsvolumen von 30 Milliarden US-Dollar erreichen“, so der Premier.

Die Annäherung der Türkei und des Iran rief in der Folge auch David Cohen, Staatssekretär für Terrorismus und Finanzkriminalität im US-Finanzministerium, auf den Plan. „Der Iran ist nicht offen für Geschäfte“, so Cohen bei einem Türkei-Besuch vergangenen Monat. Unternehmen, die Interesse daran hätten, sich im Iran zu engagieren, sollten wirklich warten. Der Tag, an dem der Iran für Geschäfte offen sei, werde kommen, heute sei das allerdings noch nicht.

USA: Unternehmen handeln auf eigene Gefahr

US-Präsident Barack Obama blies am 11. Februar ins gleiche Horn. Unternehmen, die Vorteile aus dem Interimsabkommen ziehen wollten, täten dies auf eigene Gefahr. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass eine Delegation von mehr als 100 französischen Unternehmen in Teheran zu Gast war. Die USA ist beunruhigt über alle geschäftlichen Aktivitäten mit dem Iran, vor allem über die, die unter der Hand ablaufen (mehr hier).

Erst zum Jahreswechsel wurde der iranische Öl-Tycoon Babak Zanjani wegen Korruptionsverdacht festgenommen. Der Oligarch soll in den Gold-für-Gas-Deal mit der Türkei verwickelt sein. Seine Verhaftung wurde als Gefälligkeit des Iran gegenüber den Amerikanern gesehen (mehr hier).

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