Zustimmung zu Internet-Gesetz: Türkischer Präsident verliert über 80.000 Twitter-Follower

Die Zustimmung zu einem umstrittenen Internetgesetz hat dem türkischen Präsidenten Abdullah Gül wütende Reaktionen aus dem In- und Ausland eingebracht. Zwar sollen nun einige strittige Punkte überarbeitet werden, die Internetgemeinde interessiert das jedoch herzlich wenig. Quasi auf einen Schlag verlor der Technologie-Fan mehr als 80.000 Follower auf Twitter.

Am Dienstag gab der türkische Präsident Abdullah Gül via Twitter bekannt, dass er sich nicht gegen das vom Parlament verabschiedete Interntgesetz stellen werde. Der Politiker zeigte sich damit zufrieden, dass nun problematische Aspekte des Gesetzes von der Regierung angegangen würden. Damit war auch für ihn der Weg frei, das Papier zu unterzeichnen. Seine Follower quittierten seinen Schritt mit einer Massenabkehr.

Güls Tweet auf Türkisch:

Gül-Gegner rufen zu #unfollowabdullahgül auf

Über den Kurznachrichtendienst gestand der türkische Präsident ein, dass es „vor allem in zwei Punkten Probleme“ gebe. Zwar würden seine Anmerkungen berücksichtigt werden, konkret wurde Gül allerdings nicht. Via dem Hashtag #unfollowabdullahgül setzte darauf hin eine Twitter-Kampagne ein, die ihn bisher mehr als 80.000 Follower einbüßen ließ, so die türkische Zeitung Hürriyet.

Gül, dem nun immer noch gut 4,3 Millionen Anhänger bleiben, gilt als passionierter Social Media-Nutzer. Mehrfach stellte er bereits die Möglichkeiten heraus, die sich durch die Nutzung dieser neuen Technologien ergäben. Zu einem seiner wichtigsten Tweets gehört eine Nachricht aus dem Jahr 2011, in der er sagt: „Jeder, der möchte, sollte in der Lage sein, frei durch das Internet zu streifen.“

CHP-Vorwurf: Gül nimmt Partei für Korruptionsvertuscher

Nicht nur die Internetuser machten ihrem Unmut über die Entscheidung Abdullah Güls Luft. Zu Wort meldete sich unter anderem CHP-Chef Kemal Kılıçdaroğlu. Er warf Gül Parteinahme für diejenigen vor, die versuchten, den Korruptionsskandal vertuschen.

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan hatte den Parlamentsfraktionen vorgeschlagen, den Text so zu ändern, dass die türkische Telekommunikations-Behörde (TIB) die Justiz künftig binnen 24 Stunden über die geplante Schließung einer Internetseite informiert. Die Richter haben in Folge weitere 24 Stunden Zeit, zu diesem Vorhaben Stellung zu nehmen. Auf der anderen Seite haben gemäß dem neuen Gesetz Internettreiber, die zur Entfernung von Inhalten aufgefordert werden, nur vier Stunden Zeit, um dem Folge zu leisten.

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