Expo 2015: Plötzliche Absage der Türkei schockt Italien

Die Türkei soll sich überraschend dazu entschlossen haben, nicht an der Expo 2015 in Italien teilzunehmen. Eigentlich hatte das Land seine Zusage für die Ausstellung in Mailand bereits 2012 gegeben. Nun hoffen diplomatische Kreise, dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Immerhin: Im Juli übernimmt Italien die EU-Ratspräsidentschaft und gilt als ausgesprochener Befürworter eines EU-Beitritts der Türkei.

Die unerwartete Expo-Absage der Türkei schockiert Italien. Erst in der vergangenen Woche hatte man von der türkischen Regierung die Entscheidung erfahren. Eine offizielle Begründung für die Expo-Absage soll es allerdings nicht gegeben haben. Ob ein Zusammenhang mit der fehlenden Unterstützung Italiens für eine Bewerbung İzmirs um die Expo 2020 besteht, bleibt Spekulation.

„Wir werden wahrscheinlich nicht an der Messe teilnehmen. Das ist keine politische Entscheidung“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet einen Informanten aus Diplomatenkreisen. Auf italienischer Seite bestünde derweil noch Hoffnung, dass die Türkei ihre Meinung ändern werde. Mit ihrer Enttäuschung über die Entscheidung in Ankara halte die italienische Regierung jedoch nicht hinterm Berg, heißt es.

Obwohl keine offizielle Begründung angeführt wurde, könnte die italienische Unterstützung für Dubai als Kandidat für die Expo 2020 der Grund gewesen sein, so das Blatt weiter. Ursprünglich soll Italien nämlich versprochen haben, İzmir  zu unterstützen. Am Ende hatte die türkische Stadt dann jedoch das Nachsehen. Erstmals ging der Zuschlag im November 2013 in ein arabisches Land, das sich mit dem Motto „Connecting minds, creating the future“ empfahl. In Betracht zieht das Medium jedoch auch den Umstand, dass eine Teilnahme mit satten 15 Millionen Dollar zu Buche schlägt.

Das Blatt geht davon aus, dass die jüngste Entscheidung durch das Büro des Premiers oder durch den türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan persönlich getroffen worden sei. Dass das Außenministerium vollständig über die Hintergründe informiert wäre, wird bezweifelt.

Der Beschluss der Türkei,  die Weltausstellung nicht zu besuchen, wurde letzte Woche nach Italien übermittelt. In jener Phase war Italien schwer mit innenpolitischen Anliegen beschäftigt und mitten in der Regierungsbildung. Nach Einschätzung der diplomatischen Quelle sollte es unter Matteo Renzi nun gelingen, die Türkei umzustimmen. Noch im Januar war die Expo Thema während der Italien-Visite von Präsident Abdullah Gül.

Die Türkei und Italien unterzeichneten bereits 2012 ein Teilnahme-Protokoll für die Expo. Diese findet vom 1. Mai bis 31. Oktober 2015 statt. Noch ist die Türkei auf der offiziellen Ausstellungs-Homepage aufgelistet. Mailand hatte den Zuschlag 2008 mit dem Motto „Den Planeten ernähren, Energie für das Leben“ erhalten.

Italien und die Türkei pflegen sehr gute Beziehungen. Immerhin gilt der südeuropäische Staat als traditioneller Befürworter des Beitritts der Türkei zur Europäischen Union. Italien wird am 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft aufnehmen, und wahrscheinlich eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung der bereits beschädigten Beziehungen zwischen Ankara und Brüssel spielen (mehr hier).

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