Türkei: Direktinvestitionen brechen um vier Prozent ein

Die Türkei konnte im Jahr 2013 ausländische Direktinvestitionen in Höhe von 12,6 Milliarden US-Dollar anziehen. Das entspricht einem Rückgang von 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Größter Empfänger von ausländischem Kapital war der Energiesektor.

Wie das türkische Wirtschaftsministerium bekannt gegegben hat, sind die ausländischen Direktinvestitionen in die Türkei erneut zurückgegangen. Nachdem die Kapitalflüsse bereits 2012 massiv einbrachen, muss die türkische Wirtschaft nun einen weiteren Rückgang um etwas mehr als vier Prozent verkraften.

Im Jahr 2013 flossen demnach 10,1 Milliarden US-Dollar in die Türkei. 2,55 Milliarden Dollar entfielen allein auf den Energiesektor. Rund 3,7 Milliarden US-Dollar erreichten das Land über Zwischenfinanzinstitute, das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Fast 3000 neue Unternehmen mit Auslandskapital

Die Ministeriumsdaten offenbaren auch, dass die meisten Gelder, die in die Türkei fließen aus der Europäischen Union stammen. Ganze 52 Prozent des Kapitals stammte von EU-Mitgliedern. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 2.960 neuen Unternehmen gegründet, die mit Kapital aus dem Ausland finanziert wurden. Auch hier ist ein deutlicher Rückgang zu spüren. Immerhin: Im Jahr 2012 waren es noch 3.703. Nahezu 37.000 Unternehmen, die mit ausländischem Kapital agieren, waren bis Dezember 2013 in der Türkei aktiv. 5.651 von ihnen wurden durch Gelder aus Deutschland finanziert, 2.635 mit Geldern aus Großbritannien.

Die bevölkerungsreichste Stadt der Türkei, Istanbul, beheimatet den Löwenanteil der ausländischen finanzierten Unternehmen. In der Stadt gibt es fast 22.000 von ihnen. Zum Vergleich: Die türkische Hauptstadt Ankara beherbergt lediglich 4.046 ausländische Unternehmen. Der größte Badeort des Landes, Antalya, ist Standort für 2.279 Betriebe dieser Art.

Direktinvestitionen: Einbruch um 20 Prozent in 2012

Schon im Jahr 2012 waren die ausländischen Direktinvistionen in der Türkei auf 12,4 Milliarden US-Dollar gesunken. Das entsprach einem Rückgang um satte 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Anfang 2013 zeigte sich der Ökonomen Tim Ash von der Standard Bank noch optimistisch. Vor allem nach dem Upgrade durch Fitch hätte sich die Türkei in eine völlig neue Position gebracht. Entsprechend sah er für 2013 einen Kapitalzufluss von mehr als 20 Milliarden Dollar voraus (mehr hier).

Im Ranking der Länder mit den größten Handelsbilanz-Defiziten ist die Türkei derzeit auf Platz fünf. Die AKP-Regierung erhofft sich, dieses mit Hilfe von ausländischen Direktinvestitionen zu bekämpfen. Sie nennt das Ganze Importsubstitutions-Strategie. Es sollen vor allem Investitionen in den Bereichen der Infrastruktur, der Energiebranche und der Versicherungsbranche gefördert werden (mehr hier). Aktuell ist die Türkei abhängig von kurzfristigen Kapitalzuflüssen. Dadurch finanziert sie ihr Handelsbilanz-Defizit (mehr hier).

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